Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Bedeutung der Olivenkultur
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 4)
- Language
- German
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Ölbäumen. Es lebten an 4?.000 Menschen, wo heute kaum 1500 Nomaden ihren dürftigen Lebensunterhalt zu finden vermögen. Man findet auch die Reste zahlloser Wasseranlagen. Zu Casars Zeiten mußte Leptis Minor allein fast eine Million Kilogramm Olivenöl nach Rom liefern. Einige Angaben über die Lebensbedingungen des Oelbaumes dürften interessieren. Er ist das charakteristischeste unter allen immergrünen, laubtragenden Holzgewächsen der Mittelmeerländer. Er ist in diesem Gebiet, das in so hohem Maße d;e Baumzucht pflegt, auch an Zahl der Einzelindividuen einer der ersten Fruchtbäume. Die Haine machen zuweilen einen völlig waldartigen Eindruck und ersetzen oft landschaftlich, ja selbst vielleicht klimatisch die verwüsteten Wälder. Der Baum verleiht überhaupt der Miltelmeerlandschaft ihr eigenartiges Gepräge, z. B. durch die knorrigen Stämme der alten Bäume und die graugrünen, steifen Blätter, die sich alle zwei bis drei Jahre erneuern. Weithin bedeckt er in lichten Hainen die Hänge, seltener die Ebenen. Sein Höhenwuchs ist. nicht bedeutend, er erreicht selten mehr als 10 Meter. Ganz alte Stämme — der Oelbaum überdauert Jahrhunderte — springen auf und lösen sich in eine Gruppe knorriger, gespenstig verzerrter Stämme mit wunderlich verstrickten Gliedern auf. Da die Blätter klein und wenig zahlreich sind, so dringt die Sonne auch in die dichtesten Haine ein, wodurch häufig eigenartige Beleuchtungsvvifkungen entstehen, und außerdem noch anderweitige Bodenverwertung möglich wird. Ein eigenartiger Genuß, durch diese spärlich beleuchteten und wunderlich gestalteten Olivenhaine zu spazieren; der Nordländer empfindet bei diesem Anblick Melancholie und Trauer. Schon die jungen Bäume erscheinen mit ihren hellen Blättern und ihrer früh rissigen und knorrigen Rinde sehr bald alt. An den Boden stellen die Bäume — das ist für uns von besonderem Interesse — keine hohen Ansprüche. Fast auf allen Bodenarten, auf festen feuchten, mageren, trockenen, felsigen gedeiht der Baum. Fieilich werden Wuchs und Frucht von der Bodenart beeinflußt. So ist der Ertrag der Bäume auf fetiigem, feuchtem Boden minderwertig, die Oliven werden groß, liefern aber wenig und schlechtes Oel. Die verschiedenen Spielarten sind wohl in erster Linie Erzeugnisse des Bodens, so daß man also bei bestimmten Anforderungen an die Frucht den entsprechenden Boden zur Anpflanzung zu verwenden hat. Am besten gedeiht der Baum auf jenem warmen, trockenen, porösen Kalkboden, wie ihn gerade die Mittelmeerländer häufig besitzen. Das Oel von Kalkböden ist das beste und reichlichste. Und so bringen denn steile, felsige Hänge, die sonst kaum etwas hervorbringen, auf denen weder Wein noch Weizen gedeihen könnten, noch immer einen guten Oelertrag. Ja, in steinigen Gegenden, wo Getreidebau unmöglich ist, gedeiht der Oelbaum selbst ohne künstliche Berieselung. Aber auch auf Mergel-, Schuttboden, vulkanischem Gestein und Granit gedeiht er gut, weniger dagegen auf Sandboden, weil dieser zu leicht und zu rasch austrocknet. Palä:>tina mit seinem Kalkboden ist also für die Oelbaunikultur sehr geeignet. In der Ebene des Philisterlandes bei Gaza gedeiht er aber sogar vorzüglich auf sandigem, durch reichlich vorhandene kalkige Bindemittel rasch zu Stein verhärtenden 11