Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Bedeutung der Olivenkultur
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 3)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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ja zuweilen stellte sie den einzigen Besitz ganzer Länder dar. Durch das systematischn Umhauen der Oelbäume suchte man dem Feinde den Todesstoß zu versetzen. So verfuhren z. B. die Christen und Türken auf Kreta, so auch die ägyptischen Heere im griechischen Freiheitskampfe. Noch heute zahlt man Prämien für das Pflanzen neuer Bäume in Sizilien, Sardinien und Korfu. Im alten Attika, dem klassischen LanJe des Oelbaumes, war die Olivenzucht und die Oelausfuhr staatlich überwacht, das Fällen der Oelbäume mit schwerer Strafe bedroht. Die griechische Sage erzählt, daß Minerva im Wettbewerb der olympischen Götter um das wertvollste Geschenk, das die Götter den Menscnen machen könnten, den Sieg davontrug, indem sie den Oelbaum aufsprießen ließ, der ihr fortan heilig war. Der edle Fruchtbaum stammt wahrscheinlich aus Syrien, verbreitete sich von hier über die Mittelmeerländer und von diesen nach gewissen klimatisch geeigneten Landschaften Nord- und Südamerikas, Südafrikas und Australiens. Er ist als Kulturpflanze wohl ein Erzeugnis der Kulturvölker des Orients, aber selbst uralt, wie sich aus dem Nachweis von Oelbaumblättern in neolithischen Fundstätten ergibt Gerade in Syrien reicht die Geschichte des Oelbaumes am weitesten zurück, und jederman kennt die große Rolle, die dieser Fruchtbaum in der Bibel spielt. Da Fruchtbäume immer erst nach mehreren Jahren Früchte bringen und unablässige Pflege erfordern, so ist ihre Kultur stets ein Zeichen höherer Gesittung und vollkommener Seßhaftigkeit, sie erfordert Ruhe und Frieden und ging daher meist zu Grunde, wenn Barbarenscharen über die Grenzen der Kulturländer hereinbrachen. Schon früh kam der Baum von Syrien nach Aegypten, wo ihm allerdings die Bedingungen weivg günstig sind: seine Frucht findet sich schon in den Särgen frühester Mumien. Bei den Griechen spielte er nicht nur wirtschaftlich eine große Rolle, er war auch der heilige Baum der Athene. Die Olivenhaine bildeten bekanntlich, wie schon erwähnt, den Hauptreichtum der Landschaft Attika. Von hier aus gelangte er nach Sizilien, Italien und der Provence. Die Phönizier scheinen ihn nach Tunis gebracht zu haben. Für unsere Frage ist es von Interesse, an dem Beispiel von Tunis zu erkennen, welche kolonisatorische Bedeutung der Pflege der Oelbaumkultur zukommt. Am Fluß Muthul in Nordafrika ist der Oelbaum in römischer Zeit geradezu Stütze der Kultur gewesen. Er allein hat viele Landschaften, die vorher und heute wieder als öde, baumlose Stätten dalagen, in das herrlichste Kulturland verwandelt, in ungeheure Fruchthaine, innerhalb deren Tausende von großen und kleinen Ansied- Jungen verstreut lagen und Hunderttausenden von Menschen Wohlstand und höhere Gesittung erschlossen wurde. Von der einstigen dichten Besiedlung zeugen die zahllosen Trümmerstätten, mit denen das Land übersät ist, von der einstigen Olivenzucht die in ungeheurer Zahl und zum Teil in imposanter Größe voihandenen Trümmer von Oelpressen, Oeimühlen und Oelfabriken. Die letzteren sind als großartige Bauwerke aus Hausteinen erhalten. Man fand hier drei Städte, 15 größere und 15 kleinere Wohnorte mit 1007 Oelpressen. Das entsprach etwa 400.000 10