Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Bedeutung der Olivenkultur
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 2)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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andererseits zur Austrocknuhg versumpfter Partien, zur Verhütung weiterer Versandung durch Wanderdünen, also zur Werlsteigerung und Gesundung des Bodens beitragen und all den Schädlichkeiten entgegenwiiken, die infolge der Abholzung der Wälder zur Verwahrlosung des Landes geführt haben. All das sind bekannte Vorzüge der Olivenkultur. Die Beliebtheit dieser Spende bezeugt, daß die Bedeutung dieser Kultur in den Kreisen der Palästinafreunde Verständnis gefunden hat. Was aber in diesen Kreisen durchaus noch nicht genügend gewürdigt wird, ist die überragende wirtschaftliche Bedeutung dieser Kultur für das Land, der Grad dieser Bedeutung. Man hält die Idee der Oelbaumspende zwar meist für eine glückliche, glaubt auch an die zahlreichen Vorzüge dieser Kultur, hält sie aber für eine von tausend anderen Möglichkeiten, von der nicht gleich das Wohl des Landes abhängt. Es erscheint notwendig, auf die einstmalige und heulige wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung dieser Kultur für die Mittelmeerländer überhaupt einen Blick zu weifen, um für die geradezu vitale Bedeutung, die dieser Kultur in jenen Küstenländern zukommen kann, Verständnis zu gewinnen. Bei der umfangreichen Literatur über diesen Gegenstand ist es für unseren Zweck nicht notwendig, Eigenes zu geben. Ich beschränke mich darauf, aus der mir zur Verfügung stehenden Literatur*) dasjenige auszuziehen und zusammenzustellen, was dem erwähnten Interesse zu dienen geeignet ist. Auch soll einiges über die Lebensbedingungen des Baumes beigefügt werden. I. Von der wirtschaftlichen und kulturhistorischen Bedeutung des Oelbaumes für die Mittelmeerländer. Fast im ganzen Gebiet der Küstenländer des Mittelmeeres sind unübersehbare Strecken von Olivenhainen bedeckt. Italien, das fruchtbaumreichste unter allen an Fruchtbäumen so reichen Mittelmeerländefn, tränt an 100 Millionen, Spanien an 300 Millionen Fruchtbäume. Man vergleiche damit, daß im ganzen Deutschen Reiche durch die Zählung von 1902 überhaupt nur 164 Millionen Obstbäume festgestellt sind. Von Spanien bis nach Syrien findet sich der Oelbaum überall an der Küste und bildet hier einen immergrünen Küstenstreifen, der zuweilen ganze Länder einrahmt, wie Italien, den Balkan, Kleinasien und Syrien. Auch Tunis, das in .^pätrömischer Zeit in seiner mittleren und nördlichen Landschaft ein einziger ungeheurer Olivenhain war, beginnt sich wieder mit diesen Waldungen zu bedecken. Millionen von Menschen in den Mittelmeerländern leben von den Früchten des Oelbaumes, die sie getrocknet oder in Salzwasser eingemacht zum Brote genießen, sowie von dem aus den Ol'ven gepreßtem Oele, in das sie das Brot tauchen, oder das sie zur Bereitung ihrer Speisen benutzen. Das Oel spielte nie im Welthandel eine große Rolle, da der Fruchtertrag meist im Lande verbraucht wurde. Aber im Lande selbst war diese Frucht von geradezu enormer Bedeutung, *) Hauptsächlich wurde Prof. Theobald Fischers Monographie „Der Oelbaum" (Petermanns Mitteilungen, Ergänzungsheft Nr. 147) benutzt. 9