Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige Vorschläge zur Förderung der Landwirtschaft in Palästina
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 6)
- Language
- German
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fallen, hingegen sollen sie den Aufklärungsdienst in dieser Richtung versehen. Eine weitere sehr wichtige Aufgabe, die auch in das Gebiet der Palästinaforschung fällt und für welche Professor Warburg in der letzten Aktionskomiteesitzung so warm eingetreten ist, wäre die schriftliche und zahlenmäßige Aufnahme der gesamten landwirtschaftlichen Verhältnisse. Selbst im Lande kann man sich oft über wichtige landwirtschaftliche Verhältnisse nicht die nötige Auskunft verschaffen, wenn sie nicht zufällig die jüdischen Kolonien betreffen. Solche Arbeiten würden bestehen in Monographien über die einzelnen Kulturarten, ihre Ausdehnung, die hiebei angewendeten Methoden, angebaute Sorten, Düngung usw., sowie solche über Arbeitslöhne und Arbeitsbedarf in den einzelnen Arbeitsperioden etc. Arbeit wäre genug in dieser Richtung und diese darf auch unter keinen Umständen aufgeschoben werden. Solche Arbeiten, die mit relativ geringen Mitteln (1 bis 2 Beamten) in bescheidenem Ausmaße gemacht werden können, würden indirekt von großem Nutzen für die Landwirtschaft sein. Als ein weiteres Gebiet für Betätigung zu Nutzen und Frommen der Landwirtschaft wäre die Subventionierung der Haltung von guten männlichen Zuchttieren und namentlich Rindern. Es würde für die erste Zeit genügen, in jeder Kolonie*) die Haltung eines Tieres mit hohen Rasseneigenschaften zu ermöglichen. Die geringe Leistungsfähigkeit des in Palästina einheimischen Landrindes macht eine Zuchtverbesserung unbedingt notwendig. Kreuzungsprodukte mit dem Damaskusrind sollen sich viel leistungsfähiger erwiesen haben als die einheimischen Arten. Die jüdischen Kolonisten kümmern sich aber um eine Zuchtverbesserung nur sehr wenig, schon aus dem Grunde, weil die Viehhaltung bei ihnen nur eine untergeordnete Rolle spielt. Durch eine solche Subventionierung könnten unwillkürlich die Kolonisten zu einer Zuchtverbesserung angeregt werden. Auch wäre es unsere Aufgabe mit einem Beitrag für veterinärhygienische Maßnahmen wie die Anstellung von Tierärzten uns zu beteiligen. Eine solche Maßnahme wäre auch die Besorgung des Isolierungsdienstes zur Zeit von Seuchen. Meine oben vorgebrachten Anregungen sind von der Voraussetzung ausgegangen, daß die Förderung der Landwirtschaft in den Kolonien aus Mitteln des Nationalfonds notwendig sei, wenn auch solche hauptsächlich den Kolonisten zustatten kommen sollten. Leugnet man diese Notwendigkeit überhaupt, dann natürlich verlieren meine Vorschläge jede Bedeutung. Für mich aber war bei diesen Vorschlägen die Ueberzeugung maßgebend, daß zwischen den Kolonien und den Besitzungen des Nationalfonds in wirtschaftlicher Beziehung ein organischer Zusammenhang besteht. Die landwirtschaftlichen Unternehmungen des Nationalfonds können sich nur dann gedeihlich entwickeln, wenn wir sie mit den Kolonien in stetem Zusammenhang erhalten. Denn nur durch einen Zusammenschluß mit ihnen ist ein Fortschritt möglich. Die geringen Mittel, die wir für die Kolonien *) Für kleinere Kolonien dürfte eines für zwei bis drei benachbarte zu halten genügen.