Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 1
Article
Einige Vorschläge zur Förderung der Landwirtschaft in Palästina
Date
1912-01-01
Page
Seite 5 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2379786-2379848-2379850-2415580--03950-2415613
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

innerhalb der Landwirtschaftsgesellschaft existiert, wäre ein weiteres fruchtbares Betätigungsgebiet. Auf diesem Gebiete ist in Palästina noch blutwenig geschehen. Wohl haben namentlich die Plantagen besitzenden Kolonisten durch Versuche sich manche Erfahrung erworben, aber alle diese Versuche waren nicht systematisch durchgeführt, so daß die Erfolge nicht der aufgewendeten Energie entsprechend sich gestalteten. Dazu tritt der Umstand, daß die bereits erworbenen Erfahrungen nicht zur allgemeinen Kenntnis gelangten, sondern nur bei den betreffenden Kolonisten oder in deren Kreisen geblieben sind. So kommt es. daß ein und dieselbe Kulturmaßnahme von den verschiedenen Kolonisten auf verschiedene Weise praktiziert wird. So z. B. wird der Schnitt der Mandelbäume von manchen als notwendig angesehen, von anderen als schädlich verworfen, während eine dritte Gruppe ihn bis zu einem gewissen Grad als nützlich betrachtet. Haben die Piantagenbauem doch mehr oder weniger große Fortschritte erzielt, so ist der Getreidebau au? seiner primitiven Art gar nicht herausgekommen. Man kann ruhig sagen, daß der wirtschaftliche Betrieb in manchen Ackerbsukolonien sich um nichts von dem unserer Altvorderen unterscheidet, höchstens, daß unsere Ahnen noch in manchem unseren heutigen Kolonisten über waren.*) Während man sich in Bezug auf Plantagenbetrieb von der Wirtschaftsweise der Araber emanzipiert hat, so gilt in Bezug auf Ackerbau der Araber in vielen Hinsichten noch immer als Vorbild. Systematische Versuche über die jeweiligen aktuellen Fragen tun überall not. Konkrete Beispiele könnten in großer Anzahl angeführt werden, allein der Raummangel gestattet es nicht. Nun wird man auf die Versuchsstation hinweisen, in deren Kompetenz aile diese Bestrebungen gehören. Darauf wäre zu erwidern, daß die Kräfte einer Versuchsstation noch lange nicht hinreichen, um in dieser Richtung nennenswerte Fortschritte zu erzielen. Der beste Beweis für die Richtigkeit dieser Tatsache sind die anderen Staaten, die trotz ihrer zahlreichen Versuchsstationen noch immer solche Einrichtungen besitzen. In Deutschland z. B. führt die Deutsche Lnudwirtschaftsgesellschaft trotz der Tätigkeit der dortigen Versuchsstationen, mehrere tausend Sorten- und Düngungsversuche jährlich durch, die der Landwirtschaft sehr großen Nutzen bringen. Es wäre also sehr nützlich, wenn eine solche Organisation ins Leben gerufen würde. Dies ist sehr leicht, denn man braucht sich nur mit den Ausschüssen der Kolonien über die jeweiligen konkreten Vorschläge in Verbindung zu setzen, und bei der Erkenntnis der Wichtigkeit solcher Maßnahmen in allen landwirtschaftlichen Kreisen ist es zu erwarten, daß der Erfolg nicht ausbleiben wird. Natürlich müssen wir die Initiative ergreifen und mit Hilfe aller im Lande wirkenden landwirtschaftlich gebildeten Kräfte einen einheitlichen Arbeitsplan ausarbeiten, dessen Ausführung den einzelnen Kolonisten unter fachmännischer Leitung zu überlassen wäre Die Auslagen bei der Austührung derartiger Versuche müssen natürlich aus den Mitteln der zionistischen Organisation gedeckt werden, ebenso die Besoldung eines fachlich gebildeten Landwirtes, der die Geschäftsführung dieser Agenden besorgen sollte. Dies ist natürlich nicht die einzig *) Vergleiche Vogelstein: „Ackerbau im Talmud".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.