Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Ein Palästinasammelheft
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Von verschiedenen Seiten stoßen wir auf die Entwicklung dessen, was eben jetzt noch im Werden ist So muß gerade im Westen eine Darstellung des Werkes der Chowewei Zion (Glücksohn-Odessa) viel Interesse erregen, da die Geschichte des Chowewei-Zionismus mit der der Kolonisation auf das innigste verwoben ist. Diese Gesellschaft hat ja doch die ersten nationalen Institutionen in Palästina geschaffen und bedeutet noch heute sehr vielen Tragkraft und Stütze. Seit einigen Jahren insbesondere hat sich das Odessaer Komitee, das die heutige Organisationsform der Chowewe Zion bildet, die Anregung der Privatinitiative zur Aufgabe gesetzte Wird so die Geschichte Palästinas bis in die Gegenwart forigeleitet, so erfährt dies eine willkommene Ergänzung durch Nachrichten über die koleidoskopartig gemischte jüdische „eingesessene" Bevölkerung, insbesondere Jerusalems, obwohl eigentlich auch all diese Bevölkerungsschichten zum größten Teile erst jungeingewandert sind. In diesem Sinne bietet der Aufsatz Grünhüts: „Ueber die jüdische Bevölkerung Palästinas* so manches, was sonst fast nirgends zu erfahren ist. Das Verhältnis der judischen und arabischen Bevölkerung in ihrem Aufeinandertreffen, wird von Dr. Auerbach wenigstens von der politischen Seite her berührt. Die Steigerung eines produktiven jüdischen Bevölkerungselementes wird als das wichtigste Mittel zur Steigerung des jüdischen Prestiges im Lande bezeichnet. In neuartiger Weise lernen wir das arabische Volk in einem Aufsatze vonRegr. Bärwald: „Bauliche Probleme in Palästina" kennen, der nämlich über die architektonische Geschicklichkeit dieses Volkes, obgleich diese in primitiven Formen ausprägt, manches zu erzählen weiß und zudem ein für jede jüdische Siedelung wichtiges Problem behandelt. Die vielfältigen Möglichkeiten der palästinensischen Bodenkultur bilden die Grundlage allen Aufschwunges. Sie werden von Prof. Warburg in Zusammenhäng mit den kfimaiisch'-geographischen Bedingungen der Entwicklung anschaulich erörtert und entrollen ein reiches Zukunftsbild, das zur Verwirklichung nur ernster Arbeit bedarf. Gerade die Not der Bevölkerung aber ist es, der Mangel der Arbeit als des grundlegenden sozialen Entwicklungsfaktors, was die Schaffung kleiner Gewerbe erfordert und eine Erziehung des palästinensischen Volkes zur Arbeit. Dies gilt in hervorragendem Maße für die Frauen und in diesem weiten Sinne faßt Frau Sarah Thon die Ziele des Frauenbundes in Palästina auf, der "bereits in Jaffa und Jerusalem Spitzenkurse errichtet hat und an die Gründung einer Haushaltungsschule denkt. Diese Tendenzen berühren sich mit denen des „Bezalel", über dessen seelische Vorgeschichte uns Prof. Schatz erzählt, ebenso wie von seiner ersten Begegnung mit Theodor Herzl. Ueber Schul- und Erziehungssystem in Palästina schreibt einiges Uebersichtliche und einiges Prinzipielle D. Thon — es folgen ausführlichere Berichte des Jaffaer hebräischen Gymnasiums und der Tachkemonischule. Weiterreichende Entwürfe sind der der Jabnehakademie von D. Niemirower und der Vorschlag der Gründung einer jüdischen Universität in Jerusalem von Abrahams in Chicago. Heinr. Löwe schreibt über das Bibliothekswesen. 266