Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Ein Palästinasammelheft
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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der Gegenwart und das jüdische Palästina der Gegenwart gleichsam in Isolation von dem großen Strome geschichtlichen Werdens behandelt werden. Denn — um einen Gedanken Mathias Achers auszudrücken — nicht das momentane, sozusagen willkürliche Wollen, hat in sich seine Berechtigung, Zukunft zu schaffen,, sondern das historisch gewordene Wollen. So wurzelt eigentlich die zionistische Gegenwartsströmung im Kulturjudentum, das sich in einerWeltanschauung und Lebenslehre ausdrückt, in der Sprache das Leben des Volkes vergeistigt und im Lande die physischen Bedingungen der Verwirklichung sich zu eigen macht. Dieses Grundproblem wird mehr als einmal mehr oder weniger bewußt in einigen jener Artikel berührt, welche der Geschichte des Palästinagedankens oder dem Verhältnis von Sprache und Volk oder den Kulturfragen gelten. In diesem Sinne seien aus verschiedenen „Rahmen" der Redaktion herausgehoben: Sokolow: Palästinismus und Nationalsprache; E. Täubler, Die allgemein-geschichtlichen Grundlagen der Palästinabestrebungen im 16. Jahrhundert und in der neuesten Zeit; Simon Bernfeld: Palästina in der Religionsgeschichte; Dr. J. Niemicowe: Der Vorschlag der Jabnehakademie; David Jellin: Die Renaissance der hebräischen Sprache. Es sind natürlich mehr Anregungen als abschließende Gedanken, sie schließen wenig praktisch zusammen, lassen aber die Spuren eines größeren Zusammenhanges erkennen, als eines solchen, der sogar dem üblichen praktischen Kulturzionismus zugrunde liegt. Näher werden viele Leser durch die Erörterung jener Fragen angeregt werden, welche die Erweckung und Erschließung des Landes betreffen. Denn hier können aus dem Schöße der Natur Werke geboren werden und, wenn das Volk einer geistigen Renaissance entgegenreifen soll, muß es die Arbeit der physischen Renaissance an sich selbst vollziehen können und wollen. Ueber den Juden als Kolonisten hören wir allerdings nicht viel, mehr aber über die Institutionen, welche dem Aufschwünge von Land und Volk in modernster Weise gerecht werden sollen. So erörtert Dr. Ruppin, welch großen Dienst die Landentwicklungsgesellschaft der privaten Ansiedlung und der Kolonisation überhaupt leistet. Sie ist in gewissem Sinne das Administrativorgan der Kolonisation und ergänzt hierin den Nationalfonds, dessen Eigenart als „Volksschatz" von Dr. Bodenheimer nicht zwecklos zum soundsovieltenmal dargelegt wird. Die technische Entwicklung der. Landwirtschaft in Palästina kann eine wesentliche Förderung erfahren durch die neue Versuchsstation, deren Ziele wissenschaftlicher, wirtschaftlicher, teilweise sogar pädagogischer Art Ahronsohn schildert. Ebenso werden auch die hygienischen Fragen sehr eingehend erörtert: die Absichten des zu gründenden hygienischen Instituts von D. Mühsam, die eine willkommene Ergänzung finden durch Sandlers aus-r führliche Schilderung der Gesundheitsverhältnisse Palästinas und durch eine" Würdigung der Aufgaben der palästinensischen Aerzteschaft seitens des Sichroner Arztes Dr. Joffe. Solche Aufklärungen wie sie z. B. von Sandler gegeben werden, sind von besonderem Nutzen, da in dieser Beziehung vielfach irrtümliche Anschauungen gang und gäbe sind. 265