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Palästina · 1910-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 263

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 11-12
Article
Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 263 (sequence 6)
Language
German
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diese Einigung relativ stärkeres Element gegenüber treten können. Wie immer auch die Dinge stehen, es liegt in dieser Spannung zwischen Arabern und Juden eine ernste Gefahr für den Jischub und man wird, solange die Macht der Regierungsorgane noch eine schwache ist, sehr vorsichtig sein müssen. Landkäufe, welche geeignet sind, neue Erbitterung hervorzurufen, wie z. B. Käufe bei Wucherern, müssen in der Folge ausgeschlossen werden- Weiters ist das Eindringen in den Verwaltungsdienst von größter Bedeutung, denn eine arabische Verwaltung würde dem Jischub die größten Hindernisse entgegensetzen. Die Juden haben hier die Möglichkeit, den Arabern zuvorzukommen, leider aber ist in dieser Richtung noch nichts geschehen. Das wichtigste aber bleibt eine Stärkung des Jischub durch Neuansiedlung von Kolonisten und Vermehrung der jüdischen Arbeiter, bevor die Araber ihre inneren Zerwürfnisse überwunden und sich zum gemeinsamen Kampfe gegen diejuden organisiert haben. Die Araberfrage in Palästina ist eines der ernstesten Probleme der Kolonisation des Landes durch die Juden und muß eine beide Teile befriedigende Lösung finden. Solche Lösungen gibt es. Sie hier zu erörtern wurde mich zu weit führen. Die Stellungen der verschiedenartigen christlichen Konfessionen und Nationen, welche das Land bewohnen, gegenüber den Juden, ist keine einheitliche. Die meisten Christen verhalten sich direkt feindselig dem Jischub gegenüber und hetzen im Wege der christlichen Araber auch die mohammedanischen Araber gegen die Juden auf. Ab und zu gibt es Ausnahmen unter den Christen, so z. B. besitzen die Engländer direkt Wohlfahrtsinstitute für Juden und viele christliche Hospitäler nehmen, allerdings mit gleichzeitigen Missionstendenzen, jüdische Kranke auf. Offene Konflikte oder größere Interssengegensätze zwischen Christen und Juden gibt es nicht. Wenn ich den Gesamteindruck des Gesehenen zusammenfassen soll, so lautet mein Urteil: das Vorhandene ist unstreitig sehr wertvoll und könnte den Ansatz eines neuen Judentumes bilden, wenn es die gehörige Fortsetzung und Vergrößerung findet. An und für sich ist es noch wenig. Stundenlang, zwei, drei bis fünf Stunden, manchmal sogar länger, muß man fahren, um von einem Stück jüdischen Bodens zu dem nächsten zu gelangen. Alles Dazwischenliegende ist noch arabisch oder Unland. Dabei liegen viele Kolonien zerstreut, mitten unter einer überwältigenden Majorität feindseliger und gewalttätiger Elemente. Wie die Arbeit fortzusetzen ist? Die Antwort darauf überschreitet den Rahmen meines Berichtes. Aber Eines, was ich von Palästina mitgebracht habe, die Grundstimmung welche dort herrscht, einen Ruf, dem man überall in Palästina begegnet» welcher sich wie das Grundmotiv einer Symphonie in allen Variationen wiederholt und im Munde von Klein und Groß lebt, von Kolonist und Arbeiter, vom Neuling wie vom Eingelebten, kurz von allem, was am Jischub Interesse nimmt, den Ruf nach Boden, muß ich getreulich wiedergeben. Ohne weiteren ungesäumten Bodenerwerb, trotz vorhandener gesetzlicher und außergesetzlicher Hindernisse — keine Zukunft des Jischub, vielleicht keine Zukunft des Judentums überhaupt! 263

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