Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 5)
- Language
- German
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führen immer eine Waffe mit sich — manchmal Zusammenstöße stattfanden, so mußte man bis vor kurzem das Verhältnis zwischen Arabern und Juden als ein sehr gutes bezeichnen. Dies fand unter anderem seinen Ausdruck in solchen charakteristischen Zügen, wie z. B., daß man bei Begegnungen einander immer sehr freundlich begrüßte. Mit der Notwendigkeit neuer Bodenkäufe für die bestehenden und für die neugegründeten Ansiedlungen und mit dem Auftreten jüdischer Landarbeiter trat eine Aenderung der Verhältnisse ein. Nur in Ausnahmsfällen konnte der neue Boden bei Fellachen gekauft werden. Die Regelwurde, daß man den Boden entweder beim Effendi oder beim Wucherer kaufte, bei welchem die Fellachen verschuldet waren und dem sie ihren Besitz nach türkischem Rechte in der Weise verpfändeten, daß sie ihm den Boden mit Vorbehalt des Rückkaufrechtes verkauften. Den Effendi lockte der hohe Preis, der geboten wurde und dem gegenüber der bezogene Pachtschilling zu gering erschien, und den Wucherer die Möglichkeit, sein Geld sammt Wucherzinsen in Barem zurückzuerhalten. Der bisherige Bebauer hatte nach jedem solchen Verkaufe weder den Boden, von dessen Ertrage er bisher lebte, noch auch den Kaufschilling, denn diesen erhielt der Effendi, beziehungsweise der Wucherer. Er stand auf einmal subsistenzlos da und auch die Möglichkeit, sich als Arbeiter bei jüdischen Kolonisten sein Brot zu verdienen, wird ihm in immer steigenden Maße benommen, da die neuen Kolonisten einerseits selber mit ihren Familien den Boden bearbeiten und andrerseits die zugewanderten jüdischen Arbeiter die Araber immer mehr aus dem bisher innegehabten Erwerbe zu verdrängen beginnen. Es ist nicht verwunderlich, daß unter diesen Umständen ein gewaltiger Haß gegen die Ankömmlinge, welche einem das Brot wegnahmen, entstehen mußte. Dieser Haß wird künstlich geschürt einerseits durch Verhetzung seitens der christlichen Konfessionen, welchen der Jischub ein Dorn im Auge ist, andererseits durch panarabische Agitatoren, welche der Verdrängung des arabischen Elementes in Palästina durch das jüdische mit allen Mitteln steuern wollen. Bei der Wildheit und Zügellosigkeit der Araber kommt es zu Gewalttätigkeiten, denen gegenüber die neue Generation nicht mehr zurückweicht, sondern der Gewalt mit Gewalt begegnet. So kam es in der letzten Zeit zu einigen blutigen Zusammenstößen, bei welchen auch einzelne Menschenopfer fielen. Dies gilt besonders von Galiläa. So kommt es, daß in einigen Kolonien fast jeder Kolonist sein Martinigewehr im Hause hat, und die jüdischen Arbeiter meistens bewaffnet herumgehen. In.Judäa_. sind zwar die Dinge nicht so weit gediehen, aber auch hier ist das alte, gute Verhältnis nicht mehr vorhanden. Die Araber befinden sich auf dem Lande in einer erdrückenden Majorität und bilden eine leicht erregbare Masse, welche ein gewissenloser Agitator, insbesondere wenn er der Verhetzung ein religiöses Mäntelchen umzuhängen weiß, sehr leicht zu Gewalttaten aufstacheln kann. Hingegen ist ein günstiger Umstand darin zu erblicken, daß die Araber untereinander uneinig und in viele sehr heftig sich befehdende Stämme gespalten sind, so daß die Juden ihnen als geinigtes und durch 262