Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Einiges über Landgesellschaften
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2379786-2379827-2379837-2415469--03285-2415528- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
von Bauern geschaffennicht etwa, indem, man wie vormals in Süddeutschland und Österreich erbuntertänige Bauern von ihrem Grundherrn, oder wie heute in Irland, Pächter von den Besitzern befreite, und dem vorhandenen Kleinbetrieb auch den Kleinbesitz an die Seite stellte, sondern indem man Grossgrundbesitz mit Grössbetrieb in Kleinbesitz mit Kleinbetrieb umwandelte. Soweit sich aus der bisherigen fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit ersehen lässt, war die Bauernkolonisation im preussischen Osten von vollem Erfolg begleitet, der auf polnischer Seite auch offenbar privatwirtschaftlich lohnend war, weil sonst den Siedlungsbanken nicht stets vergrösserte Mittel zugeflossen wären. In Egypten haben gleichfalls in den letzten fünfundzwanzig Jahren die Landgesellschaften eine ebenso grosse als segensreiche Rolle gespielt. Sie sind seit der englischen Okkupation (1882) und der mit ihr beginnenden Reorganisation des staatlichen Bewässerungssystems die Trägerinnen der Gewinnung von Neuland gewesen. Die traurigen irischen Erfahrungen Englands haben Lord Cromer, den erleuchteten Regenten Egyptens, darauf hingewiesen, dass nichts für die Stabilität einer fremden Herrschaft in einem Lande gefährlicher wäre als eine hungernde Masse besitzloser Landarbeiterund Kleinpächter. Sein Bestreben ist es daher gewesen, die von Ismael Pascha unseligen Angedenkens und seinen Trabanten zusammengeraubten Ländereien mit möglichster Beschleunigung in Bauernhände zurückzuführen, umsomehr als in Egypten, wie überall anderwärts, der Landbebauer nur dann sein Bestes gibt, wenn er für sich und nicht für Fremde arbeitet, und der Kleinbetrieb somit in vieler Hinsicht auch in Egypten dem Grossbetrieb überlegen ist. Seine besten Helfer sind hiebei die Landgesellschaften gewesen. Sie waren agil, die Trägerinnen des wirtschaftlichen Fortschrittes, und brachten ausserdem europäisches Kapital ins Land, dessen Egypten immer noch dringend bedarf. Die staatliche Bureaukratie ist dagegen in Egypten in manchen Verwaltungszweigen noch schwerfälliger als in Europa, trotz aller einschneidenden Reformen noch immer nicht ganz bakschischfest und somit für den Landwirtschaftbetrieb oder gar für die Melioration von Wüsteniand nicht geeignet; die Privaten sind dagegen für Arbeiten grossen Stils im allgemeinen nicht kapitalskräftig genug. Als Egypten und Ismael 1879 bankerott wurden wurde Ismaels Privatbesitz sowie der Besitz der khedivialen Familie an Landgütern, DaTra Sanieh genannt, die in gleicher Weise wie die Staatsdomänen den französischen und englischen Staatsgläubigern verpfändet waren, ebenso wie die Domänen je einer gesonderten grossen staatlichen Verwaltung unterstellt, 248