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Palästina · 1910-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 247

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 11-12
Article
Einiges über Landgesellschaften
Date
1910-01-01
Page
Seite 247 (sequence 1)
Language
German
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Einiges über Landgesellschaften. Von Dr. Hans Gideon Heymann, Berlin. Die planmässige kapitalistische Parzellierung grösserer städtischer oder ländlicher Güterkomplexe geniesst in weiten Kreisen einen sehr schlechten Ruf; die städtischen Terraingesellschaften gelten unter Verkennung ihrer Bedeutung für die Entwicklung unserer Grosstädte und für die Erschliessung neuer gesunder Wohnviertel bei allen radikalen Bodenreformern als hassenswerte Bodenspekulanten, die uns Grund und Boden und damit die Mieten verteuern und denen allerlei Steuern auferlegt werden müssen. Die Parzellierung von Landgütern wird sogar mitunter „Güterschlächterei" benannt und angeblich von bösen Juden zur Ausbeutung harmloser Bauern ausgenützt. Nun ist unbestreitbar, dass wie jede wirtschaftliche Tätigkeit auch das Parzellierungsgewerbe zu Zwecken ausgenutzt werden kann, die vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus unerfreulich erscheinen; an sich ist aber das Parzellieren ein genau so nützliches und unter Umständen unentbehrliches Metier wie das Raffinieren von Petroleum oder wie die Aufzucht von Qualitätsbullen. Die Aufteilung für rationelle Verwendung übergrosser Landkomplexe ist aber vielfach eine Notwendigkeit; denn die staatliche oder städtische Bureaukratie ist im allgemeinen zu schwerfällig, um diese Arbeit mit der nötigen Schnelligkeit unter Anpassung an die jeweiligen Wirtschaftskonjunkturen durchzuführen und so fällt sie dem kapitalistischen Unternehmer zu, der aus ihr den grösstmöglichen Gewinn erstrebt. Im preussischen Ostelbien ist eine Verminderung der dort überwiegenden grossen Güter wegen des sie bedrohenden Landarbeitermangels im Interesse des Grossgrundbesitzes selbst gelegen. Mehrere Aktiengesellschaften, wie die „Landbank", beschäftigen sich mit gutem privat- und volkswirtschaftlichem Erfolge mit der Aufteilung erworbener Grossgüter in Bauernstellen; halb private, halb öffentliche Institute, die dem gleichen Zwecke dienen, sind in Ostpreussen und Brandenburg in Gründung begriffen. Vor allem aber werden in den ehemals polnischen Provinzen, in Posen und Westpreussen, die Güter aufgeteilt, in scharfem nationalen Konkurrenzkampfe zwischen Deutschen und Polen. Sowohl die staatliche Ansiedlungs-Kommission, der vom preussischen Landtag bisher mehrere 100 Millionen Mark für die Ansiedlung deutscher Bauern in der Ostmark zur Verfügung gestellt worden sind, als auch die polnischen Ansiedlungs- und Genossenschaftsbanken, die mit ihren erheblich kleineren Mitteln sehr geschickt operieren, haben eine Unzahl von Rittergütern aus deutschem und polnischem Besitz zerschlagen und an deren Stelle hunderte von blühenden Dörfern mit zehntausenden 247

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