Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Chalukah
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nichts gelernt und nichts vergessen, das ist die Parole der Amsterdamer Verwaltung. Aber, und damit kommen wir etwas weiter im Text, die Chalukahverwaltung kann und wird sich nicht bessern! Von einer so selbstbewußten Administration, die sich bisher so wenig um die öffentliche Meinung gekümmert hat, ist kaum zu erwarten, daß sie ihre altmodische und schwerfällige Unbeholfenheit so rasch ablegen wird. Gewiß haben einige Frankfurter Orthodoxe eine grundlegende Reformierung in Aussicht gestellt, schon um eine eventuelle Abbröckelung der Spende zu hindern. Ob diese in derselben Weise zugenommen haben, wie die zionistischen Sammlungen, läßt sich aus dem mir zur Verfügung gestellten Material nicht ersehen. Veröffentlicht wurde auch m. E. eine ordentliche Bilanz über die deutschen Spenden für die Chalukah seit einigen Jahren nicht mehr. Wie steht es nun mii der Aussicht auf eine Sanierung der Lebensbedingungen der Juden von Jurüsalem, Safed, von Tiberias und Hebron, auf welche sich der Machteinfluß der Chalukah erstreckt? Vorausgesetzt, daß sich die deutsche Chalukah mit den Verwaltungen des Ostens ins Einvernehmen setzte, könnte Enormes geleistet werden. Trietsch beziffert die aschkenasische Chalukah allein auf 2,381.000 Francs jährlich. Aber so wenig die Amsterdamer Chalukah sich zu ernstlichen Unterhandlungen mit den anderen Schwesterverwaltungen aufraffen wird, so wenig werden diese von selbst ihr System auch nur im geringsten der Zeit anpassen. Und wie soll auch der deutsche „Kolel" Anstoß zur Besserung anderer geben, wo er sich selbst nicht dazu bewogen fühlt, reinen Tisch bei sich zu machen. Trotz einerStrömung unter den jungen Jerusalem er Chalukah juden, sich landwirtschaftlichen Betrieben zuzuwenden, hat die Amsterdamer Verwaltung keine ländlichen Siedlungsprojekte vorgesehen. Auch die Frankfurter Genossen sprechen nur von einigen industriellen Unternehmungen, die sie planen. Man müßte' denn die in Aussicht gestellte Unterstützung der AJKO. mit 20.000 Mk. hierauf beziehen. Aber auf diese Beteiligung kann heute doch unmöglich gerechnet werden. Sie betrifft eine Gesellschaft, die noch nicht einmal weiß, in welchem Teile des Orients sie kolonisieren will. Und wir sprechen hier von der Notlage der Juden in Palästina, die akut ist. Gibt es denn Unternehmungen, die eine wirtschaftliche Verbesserung der Lagederjuden Palästinas erstreben? Gewiß, ich nenne nur den Bezalel, dann die verschiedenen Ansiedlungsgenossenschaften (Oppenheimersche Siedlungsgesellschaft, Geulah, PLDC), verweise auf die Oelbaumspende und den Palästina-Pflanzungsverein, die beide jüdischen Landarbeitern Brot geben. Bekannt ist, daß der NF. und die Jüdische Anglo-Palästina-Bank den Juden weitgehenden Kredit in Industrie, Handel und Landwirtschaft gewähren. Was soll man von den deutschen Orthodoxen halten, wenn man folgendes Faktum wahrnehmen muß: Die Palästinakommission der deutschen Orthodoxen unterstützt nicht die jüdische Bank in Palästina, sondern boy- 244