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Palästina · 1910-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 243

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 11-12
Article
Die Chalukah
Date
1910-01-01
Page
Seite 243 (sequence 2)
Language
German
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render „Lernender" (nicht Gelehrter) groß, die im Schmutz und Ungeziefer ersticken; weder für die religiöse Wissenschaft noch für die nationale Renaissance Ersprießliches leisteten. Wohl aber ist der Sumpf der Chalukahleute der Boden, aus dem all jene Giftbäume wuchsen, die heute noch die Judenheit Jerusalems so besonders charakterisieren: Die Intoleranz, für die der oftmalige Bann, mit dem große und vornehme Juden, tüchtige Institute (man kann ruhig sagen, alle modernen Schulen Jerusalems etc.) belegt wurden, der beste Beweis ist, wie die Schamlosigkeit, mit der Wohlhabende die Armen um die Unterstützung brachten und sich selbst bereicherten, das Bettlertum, die religiöse Scheinheiligkeit etc. Und was kann man dazu sagen, wenn die Amsterdamer Verwaltung in dem vor kurzem erschienenen Jahresbericht sich folgendermaßen hören läßt: „Die Organisation (sc. der Chalukah) hat sich bis in die jüngsten Jahrzehnte hinein im großen und ganzen trefflich bewährt und zu ihrem Teile die Möglichkeit geschaffen, daß eine überhaupt nicht proletarisierte, vielmehr geistig regsame und sozial lebensfähige jüdische Bevölkerung auf dem Boden des heiligen Landes in die neue Zeit hinüber gerettet werden konnte." Was macht es aus, wenn dieselben Autoren von ihren angeblich nicht proletarisierten, sozial lebensfähigen Schützlingen an anderer Stelle schreiben müssen: ihre Armut ist unbeschreiblich gro5. Bei dieser Art von Darstellung kommt es nicht mehr darauf an, daß man sich gelegentlich einmal widerspricht. Hier eine 50.000 Seelen zählende, total verkommene Bevölkerung, deren Not notorisch zum Himmel schreit. Demgegenüber die von zionistischer Seite inaugurierte ländliche und städtische Siedelung, die sich bei allen ihr anhaftenden Mängeln doch in einer Weise entwickelt, die von allen Seiten (vgl. Auhagen, Katz, Naumann u. a.) Anerkennung gefunden und den durch die Chalukah untergrabenen guten Ruf der Juden Palästinas bedeutend gehoben hat. Die Chalukah fürwahr ist daran schuld, daß man durch Jahrzehnte fast an die Unmöglichkeit einer Besiedelung Palästinas durch Juden glaubte. Wer gesehen hatte, wie die Chalukah-Juden lebten, sich führten, stritten und separierten, der verzweifelte an einer Renaissance der palästinensischen Juden. Oder nehmen wir die Geschichte der Einführung der hebräischen Sprache. Wie lange und wie heftig widersetzte sich die Chalukah-Judenschaft der Renaissance unserer alten Volkssprache. In ihren Schulen wurde der Jargon gepflegt, bald der jüdischdeutsche, bald der spaniolische. Heute allerdings beginnt man hier und dort das Wideraufleben der hebräischen Sprache nachzuahmen, nicht auf eigenen Antrieb,, sondern um ein gewisses äußeres Dekorum zu wahren. Dies wäre den Amsterdamer Herren gerne konzediert, die versteckten Angriffe auf die zionistischen Siedelungen und deren kulturellen Schöpfungen ebenfalls. Wenn nur nicht das ganze Werk unserer Palästinatätigkeit durch jene Verhältnisse beeinträchtigt würde, wenn nicht die Masse des üdischen Volkes in "Erez Israel, von der Chalukah geleitet, in so scheußlichen Lebensverhältnissen und Anschauungen aufgezogen würde. Diese Umstände fordern unseren Protest heraus. 243

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