Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Jahresrückschau
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 2)
- Language
- German
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fallen, welche den Blick, die Probleme zu sehen, blendet und dadurch die Kräfte, sie zu lösen, lähmt. Andrerseits dürfen uns die geschilderten Erscheinungen nicht entmutigen. Manche davon bedeuten eben das Mißgeschick eines Jahres, andere sind allerdings in den allgemeinen. Verhältnissen begründet, aber wir haben auch die Möglichkeit, durch ein verstärktes Arbeiten unsererseits die Hindernisse, die unserer Entwicklung im Wege stehen, zwar nicht hin wegzuleugnen, aber zu überwinden. Und über solche Schwierigkeiten, die in u n s selbst begründet sind, kann eben nicht diskutiert werden, weil wir besser daran tun, den Geist zu pflegen, der dieser Schwierigkeiten Herr wird. Andrerseits stehen den trübenden doch auch eine Reihe erfreulicher Tatsachen gegenüber. Namentlich wurden manche Keime zu Gründungen gelegt, welche einmal zu bedeutenden Werken anwachsen können, wenn auch die Resultate jetzt noch nicht mit Händen zu greifen sind. So ist durch die unermüdliche Energie Aronsohns die landwirtschaftliche Versuchsstation ins Leben gerufen worden, ferner ist die Errichtung des hygienischen Instituts der Verwirklichung näher gerückt Der Bau des Polytechnikums in Haifa hat bereits begonnen und in Jaffa wurde die erste städtische moderne Judenkolonie Palästinas errichtet. Die Arbeiten der Palestine Land Developement Company sind in Chulda und Bet-Arif erweitert, einige neue Haine der Oelbaumspende errichtet worden. Für mehrere zu gründende Kolonien wurde, und zwar jedesmal aus privater Initiative, Boden angekauft. Der „Bezalel" hat sich in Bezug auf seinen industriellen Betrieb sehr stark vergrößert und auch einen Versuch mit ländlicher Heimarbeit begonnen. Ein Arbeiterhäuserfonds ist errichtet worden. Für den siedlungsgenossenschaftlichen Versuch, ein eigenartig neues soziales Gebilde, wird hoffentlich die finanzielle Fundierung noch zu den Ereignissen dieses Jahres gezählt werden dürfen. Ein günstiges Prognostikon für das Gelingen des OppenheimerschenProjektes bietet vielleicht der gute Jahresabschluß eines in Palästina selbst in dieser Richtung aus eigener Initiative von Arbeitern im Kleinen schon gemachten Vorversuches. In kultureller Beziehung können naturgemäß die Erfolge noch weniger deutlich zutage treten. Hier sind außer der Erweiterung bestehender Institute, einige Neugründungen (z. B. Kindergärten), insbesondere die Gründung einer ernsten pädagogischen Zeitschrift, sowie der Zuzug mancher neuer Kräfte, auch aus Westeuropa, hervorzuheben. Großer Eifer macht sich auch auf literarischem Gebiete geltend. Der allgemeine Aufschwung, den nach längerer Stagnation die, wenigstens äußerliche Organisation der hebräischen Kultur- 402