Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Jahresrückschau
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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bestrebungen in der letzten Zeit erfahren hat, zeigt sich auch in Palästina, wo insbesondere zu Zwecken der Volksbildung mehrere Verlagsunternehmungen sich gründen. Natürlich kann die Rückschau eines Jahres nicht auch die verschiedenen Bewertungen der einzelnen Tatsachen gegeneinander enthalten. Unter den zahlreichen Besuchen, welche in diesem Jahre Palästina galten, war einer ganz besonders von festlichen Kundgebungen begleitet: der des Großrabbiners der Türkei. Möchte diese offizielle Besichtigung unseres jungen Landes dazu beitragen, einerseits durch den damit verbundenen Wechsel des Großrabbinats von Jerusalem eine versöhnende und organisierende Macht in das vielzersplitterte palästinensische Judentum hineinzutragen und andrerseits jene Schranken aufzuheben, welche in entehrender Form noch jetzt der jüdischen Einwanderung gesetzt sind. Dann wird der Aufschwung Palästinas, der sich auch schon in allerlei offiziellen Projekten (z.B.in Bezug auf neue Bahnen, Hafenbauten, Wasserleitung) ankündigt, auch große jüdische Kräfte finden, welche der Entwicklung eines modernen türkischen Reiches nicht zum Schaden gereichen können. Nicht allzugroß ist leider noch der Zusammenhang zwischen Palästinarenaissance und europäischem Judentum, obgleich in den letzten Jahren ein gewisses platonisches Interesse für Palästina sich bedeutend gesteigert hat. Die zionistische Bewegung, welche dieses Interesse als weitzügige Aktion hervorgerufen hat und als Partei im Judentum am stärksten vertritt, wird, um ihre Rolle ganz zu erfüllen, zugleich eine Verdichtung im Sinne einer intensiveren inneren Konzentration auf ihre Ziele und zugleich eine äußere Verbreiterung ihres Gedankens erfahren müssen, insoferne die Renaissance des Judentums in Zusammenhang mit der Belebung eines jüdischen Palästinavolkes allmählich auch eine Angelegenheit des Gesamtjudentums werden wird. Es ist darum auch mit besonderer Freude zu begrüßen, daß sich immer mehr jüdische Institutionen für die Palästinasache in lebendiger Weise interessieren oder sogar für bestimmte Richtungen des palästinensischen Werkes (für Kolonisation, für wissenschaftliche Forschung) sich gründen. Und jener Wunsch, der dem ersten Jahrgang von „Altneuland" von dessen Gründern vorangestellt wurde, mag auch, auf das ganze Palästinawerk bezogen, zum Abschluß des siebenten Jahrganges hiehergesetzt werden: „Daß uns bei unserem bedeutsamen, der schwersten Verantwortung vollem Unternehmen die Mitarbeit der Besten unseres Volkes gewährt werde". S\ 241