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Palästina · 1910-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 239

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 11-12
Article
Jahresrückschau
Date
1910-01-01
Page
Seite 239 (sequence 1)
Language
German
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:: PALÄSTINA :: MONATSSCHRIFT FÜR DIE ERSCHLIESSUNG PALÄSTINAS. VH. JAHRGANG 1910 HEFT 11/12 Jahresrückschau. So wenig als ein Tag im Leben des Individiums bedeutet ein Jahr für eine weitzügige Volksentwicklung und -Wandlung. Nicht viel wesentlich Neues kann sich darum am Schlüsse des Jahres der rückblickenden Chronik in Bezug auf die junge Palästinaentwicklung darbieten. Auch entspricht unsere Rückschau nicht jener Jahresepoche, weiche durch die eigentümliche Natur unseres Heimatlandes bestimmt ist. Charakteristischerweise kennt die altjüdische Tradition eigentlich ein zweifaches Neujahr: jenes, das der ersten Wiedererweckung des verdorrten Landes vorangeht, einer Art Vorfrühling, in unseren Herbst fallend, und ein zweites, das den Höhepunkt des Frühlings einleitet und durch den ersten Monat des jüdischen Kalenders bezeichnet wird. Nicht immer Erfreuliches brachte das verflossene Jahr. Manche unangenehme Vorfälle konnten Jemanden, der die Entwicklung nach kurzen Spannen mißt, mit Zaghaftigkeit erfüllen. Die Ernteergebnisse, Getreide- und Weinernte blieben gegen frühere Jahre zurück, infolge höchst ungünstiger Regenverhältnisse. Aehnliche Ursachen wirkten auch insoferne schädigend auf die Entwicklung unserer Kolonien, als eine unter Beduinenschwärmen herrschende Hungersnot zu mehreren Ueberfällen auf jüdischen Besitz führte. Auch die politischen Verhältnisse blieben nicht ungetrübt. Manche übertriebene Hoffnungen, welche auf das neue Regime in der Türkei gesetzt wurden, stehen der Erfüllung ferne, ja gewisse Auffassungen, die von besonders kluger und wohlmeinender Seite herrschenden Kreisen eingeflößt wurden, können gar nicht geeignet sein, das Prestige unseres ruhigen Wollens in Palästina zu heben. Eine noch trübere Erscheinung ist eine gewisse_JErmüdung in arbeitenden Kreisen, so daß die Schwierigkeiten der Lebensverhältnisse manche sogar zu einer neuen Auswanderung veranlaßten. Und wie ein Uebel das andere mit sich zieht, so scheint auch hie und da das Auftreten verhetzter Araber, wie sich dies auch anderen Nationen gegenüber zeigte", "ein aggressiveres geworden zu sein. All diese Tatsachen müssen registriert und erwogen werden, wollen wir nicht in jene bequeme Schönfärberei ver- 239

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