Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 9)
- Language
- German
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des Herrn Moser aus Bradford, welcher hohe Summen -für den bereits vollendeten Bau eines eigenen Heims für das Gymnasium hergegeben hat, die Existenz dieses wichtigen kulturellen Institutes im Lande gesichert erscheint. Nebenbei sei erwähnt, daß es neben dem hebräischen Gymnasium in Jaffa noch zwei andere Gymnasien gibt: das hebräische Gymnasium in Jerusalem und das orthodoxe Gymnasium Tachkemoni in Jaffa. Diese beiden Schulen werden noch ihre Existenzmöglichkeit zu beweisen haben. Von den Fachschulen ist die wichtigste und bedeutendste die Junge Bezalelschule in Jerusalem. Ich hatte schon früher Gelegenheit, die gegenwärtige Not und die hoffnungslose Zukunft der Chalukajudenschaft zu schildern, welche früher oder später zu einer kolossalen Auswanderung aus den Städten führen müssen, wenn nichteine radikale Aenderung der Existenzverhältnisse dort eintritt. Diese radikale Aenderung, und nicht mehr und nicht weniger, will der Bezalel herbeiführen, und es hat, wenn wir nach seiner kaum vierjährigen Tätigkeit urteilen sollen, allen Anschein, daß es ihm gelingen wird, wenigstens teilweise seinen Zweck zu erreichen. Die Bezalelschule will zunächst in Jerusalem bausindustriell betriebene Kunstgewerbe einzuführen. Sie will durch Schaffung von neuen Erwerbsmöglichkeiten der jerusalemer Judenschaft die materielle und durch Einführung des Prinzipes der Arbeit die moralische Grundlage ihrer Existenz begründen. Schließlich soll die kunstgewerbliche Betätigung im Gegensatze zu der Beschäftigung in der Fabriksindustrie, bei welcher motorischer Betrieb und weitgehende Arbeitsteilung den Arbeiter zu einem Werkzeuge, zu einem Rädchen im Uhrwerke herabdrücken, den individuellen Fähigkeiten die Möglichkeit der freien Entfaltung wahren und unsere jüdische städtische Bevölkerung auf eine höhere Kulturstufe emporheben. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Erfolg seiner Bestrebungen sucht und findet Professor Boris Schatz, der Begründer und Leiter des Bezalel, in der Billigkeit derArbeitskraft in Jerusalem — weibliche Arbeitskraft z. B. hat dort eigentlich heute noch überhaupt keinen Preis — in dem Affektionswerte, welcher den an heiliger Stätte erzeugten Gegenständen anhaftet, in dem Umstände, daß Jerusalem näherander Heeresstraße des Touristen- und Handelsverkehres liegt als die anderen Produktions'igebietc mancher allgemein begehrter orientalischer Kunstgewerbeartikel und schließlich in dem Umstände, daß in mancherRichtungeinBedarfimLande besteht, weicher vom Auslande oder von Nichtjuden des Landes gedecktwird, sehr wohl abervon inländischen Juden bestritten werden könnte. Die Bezalelidee ist nicht nur an und für sich eine glückliche und richtige, ihre Verwirklichung ruht auch in richtigen Händen, in denen des Professor Boris Schatz, eines unserer fähigsten und verdienstvollsten Männer im Lande. Die Resultate der bisherigen Tätigkeit des Bezalel 228