Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 10)
- Language
- German
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sind auch sehr erfreuliche, um so mehr, als sie bei verhältnismäßig lächerlich geringen Mitteln erzielt wurden. Die Bezalelschule besitzt heute neben der Mal- und Zeichenschule eine Teppichabteilung, eine Abteilung für Filigransachen in Silber, eine Abteilung für Arbeiten in Kupfer sowie in Kupfer mit eingelegtem Silber, eine Rahmenabteilung, eine Abteilung für geflochtene Möbel und das Bezalelmuseum. Die Steinhauerabteilung besteht nicht mehr, nachdem zirka 70 Steinmetze (durchwegs Jemeniten) bereits ausgebildet wurden und nunmehr bei der starken Baubewegung sich selber ihr Brod durch Arbeit verdienen. Die Teppichabteilung des Bezalel, die wichtigste von allen, isr gleichzeitig das Schmerzenskind der Schule. Die ersten Teppiche fanden nicht ungeteilten Beifall. Die originellen Bezalelmuster, Nachahmungen palästinensischer Landschaften und ehrwürdiger Stätten, ebenso die charakteristisch stilisierten hebräischen Buchstaben konnten einen verfeinerten Geschmack nicht zufriedenstellen. Dazu war die Farbenwirkung, also dasjenige, was die orientalischen in Handarbeit erzeugten Teppiche gegenüber der europäischen Fabriksware auszeichnet, ebenfalls mangelhaft. Die Wolle wird im Bezalel selbst gefärbt. In der ersten Zeit mangelte es oft an Geld, um einen genügenden Vorrat an Wolle zu färben und, da es nicht gelingt, zweimal genau dieselbe Färbung zu erzielen, so geschah es häufig, daß in einem und demselben Teppich dieselbe Farbe einmal lebhafter und einmal matter vorkam, was die harmonische Farben Wirkung beeinträchtigen mußte. Heute sind diese Mängel zum großen Teile verschwunden. Man arbeitet weniger originell stilisierte Sachen und ahmt altbewährte Muster von erlesenem Geschmacke nach. Während meiner Anwesenheit in der Schule sah ich bereits sehr schöne Teppiche in Arbeit. Die Chancen der Teppichabteilung kann man heute noch nicht abschätzen, jedenfalls ist gegen früher ein Fortschritt zu konstatieren. Die Abteilung für Filigransachen in Silber existiert erst das zweite Jahr und gedeiht vortrefflich. Die Gegenstände sind sehr hübsch und preiswert und finden einen reißenden Absatz, so daß man mit der Produktion gegenüber der Nachfrage im Rückstände ist. Diese Abteilung hat aller Wahrscheinlichkeit nach eine große Zukunft für sich. Ebenso wenn auch nicht im gleichen Maße das zweite Damascener Kunstgewerbe, die Arbeiten in Kupfer sowie in Kupfer mit eingelegtem Silber. Die Erzeugnisse dieser Abteilung sind ebenfalls gefällig und finden schlanken Absatz. Die Rahmenabteilung sowie die Abteilung für geflochtene Möbel arbeiten mehr für den inländischen Bedarf. Diese letztere Abteilung könnte eine große Zukunft haben, wenn es gelingen würde, die nötigen Flechtweiden im Lande zu gewinnen, damit man das Rohmaterial nicht aus dem Auslande beziehen müsse. Ein anonymer Philantrop hat das Geld für einen Versuch, welcher in der Nachbarschaft des Herzlwaldes in Chulda heuer mit der Pflanzung von Weiden unternommen wird, zur Verfügung gestellt. An der Spitze jeder Abteilung steht ein Meister, oft ein gewesener Schüler der Anstalt. Unter seiner Leitung arbeiten die Schüler und Schülerinnen, welche bereits nach einer sehr kurzen Einführungszeit einen 229