Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 8)
- Language
- German
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Eine besondere Bedeutung für die Ausbreitung der hebräischen Sprache als einer lebenden, hat das hebräische Gymnasium in Jaffa. In diesem Gymnasium, welches mit jedem Jahre eine höhere Klasse eröffnet, wird die Anwendung des Hebräischen als Vortragssprache mit eiserner Konsequenz durchgeführt. Während man bisher gewohnt war, sich nur in der schönen Literatur und teilweise im alltäglichen Leben des Hebräischen bedienen zu können, lernen die Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums sämtliche Wissenschaften in der hebräischen Sprache und man versucht es, das Anwendungsgebiet der Sprache auf die Wissenschaften und das wissenschaftliche Denken auszudehnen. Eine zweite sehr fruchtbare Tendenz im Schulwesen bildet das Bestreben, die Schule an die Bedürfnisse des praktischen Lebens anzupassen. Auf dieses Bestreben ist die vermehrte Gründung von Fachschulen zurückzuführen, in welchen die Zöglinge nicht nur allgemeine Bildung in geringerem oder größerem Ausmaße erhalten, sondern auch ein Fach erlernen, welches ihnen die Erwerbsmöglichkeit im Lande verschaffen soll. In den allgemeinen Schulen wird darauf gesehen, das praktisch oft überflüssige Studium europäischer Sprachen einzuschränken und hiefür den Unterricht der Landessprache, das ist des Arabischen, einzuführen. Dies ist insbesondere in manchen Kolonieschulen geschehen. Einem weiteren Bedürfnisse in dieser Richtung, nämlich daß die Schulen zum Eintritte in den türkischen Verwaltungsdienst vorbereite, wird man ebenfalls in der nächsten Zeit Rechnung tragen müssen, denn das Eindringen von Juden in die Verwaltung ist von unschätzbarer politischer und praktischer Bedeutung. Bisher ist in dieser Hinsicht noch nichts geschehen und es wird eine der Hauptfragen des vom Hilfsverein der deutschen Juden in Gründung begriffenen Polytechnikums sein, in dieser Beziehung teilweise Abhilfe zu schaffen. Bisher habe ich mich mit dem Schulwesen nur im allgemeinen befaßt. Nunmehr will ich noch einige ergänzende Worte über das hebräische Gymnasium in Jaffa sagen und Wirksamkeit und Bedeutung des „Bezalel* schildern. Bei dem Bildungshunger der Juden geschah es häufig, daß man die Kinder zur höheren Ausbildung ins Ausland schicken mußte. Dieser Umstand machte oft die Ansiedlung wohlhabender Leute, welche sich von ihren Kindern nicht trennen wollten, unmöglich, und hatte den praktischen Nachteil, daß die nach dem Ausland Geschickten dem Lande entfremdet wurden und eine Ausbildung erhielten, welche den Bedürfnissen des palästinensischen Lebens nicht entsprach und hier nicht zur Anwendung gelangen konnte. Mit der Gründung des Gymnasiums, einer modernen Mittelschule, ist die Möglichkeit geboten worden, eine höhere Ausbildung im Lande zu erhalten, wobei das Band mit dem heimischen Boden-durch die Plege des nationalen Geistes und der nationalen Kultur nur um so enger geknüpft werden soll. Für das zu gründende Polytechnikum wird das Gymnasium ein genügend vorgebildetes Schülermaterial schaffen, insbesondere da in den oberen Klassen derRealbildungbesondereAbteilungengewidmet werden sollen. Es ist daher von Herzen zu begrüßen, daß durch die hochherzige Spende 227