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Palästina · 1910-01-01 · Heft 10 · p. Seite 226

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 10
Article
Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 226 (sequence 7)
Language
German
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In den letzten Jahren machen sich sehr fruchtbare Tendenzen in: Schulwesen bemerkbar. Vor allem macht sich ein kräftiger Zug nach N ationalisierung und Vereinheitlichung der Schutt durch Einführung des Hebräischen als Hauptgegenstand und Vortragssprache geltend. Am kräftigsten wird dieses Bestreben durch die Kindergärten gefördert, welche teils von den Kolonisten, teils vom Odessaer Komitee und vom Hilfsvereine der deutschen Juden erhalten werden. Hier lernen die vier- bis sechsjähi igen Kinder das Hebräische sprechen und werden so für die Volksschule mit hebräischer Vortragssprache vorbereitet. In den Kolonien ist das Hebräische bereits allgemein als Hauptgegenstand und Vortragssprache eingeführt. Dies hat zunächst den praktischen Vorteil, daß man nunmehr an die Schaffung einheitlicher Lehrmittel herantreten kann, und tatsächlich hat die Einführung der hebräischen Vortragssprache das Erscheinen von hebräischen Lehrbüchern ver-, anlaßt, an welchen unsere besten schriftstellerischen Kräfte in Rußland, so der bekannte hebräische Dichter Bialik, arbeiten. Diese Lehrbücher, die ersten, welche den Bedürfnissen der palästinensischen Schulen angepaßt sind und der modernen Entwicklung der Pädagogik Rechnung tragen. führen allmählich mit derVereinheitlichung der Lehrmittel zu einer Vereinheitlichung des Lehrstoffes und der Lehrmethode, was einen großen Fortschritt gegen früher bedeutet. Dem Beispiel der Kolonien ist der Hilfsverein der deutschen juder. gefolgt, welcher in dem Lehrplane seiner Schulen dem Hebräischen den größten Platz eingeräumt hat. Sogar die Alliance Israelite konnte gegenüber der Entwicklung nicht mehr starr an ihrem veralteten Französisierungsprinzipe festhalten und ist bei allen Vorbehalten und Ausreden gezwungen, die hebräische Sprache in erhöhtem Maße zu berücksichtigen. Denn eines muß mit Nachdruck betont werden: die Tendenz nach Hebräisierung der Schulen ist nichts Künstliches, von außen Hereingetragenes, es ist ein durch die Macht der Verhältnisse gegebenes, aus ihnen entspringendes Bedürfnis. Aus der Verschiedensprachigkeit, aus der Gesondertheit in Art und Sitte der in Palästina wohnenden Juden gibt es. nur einen Weg zur Verständigung und zum gegenseitigen Verständis, und dbser Weg führt über die gemeinsame, die hebräische Sprache. Das Gefühl der Einheit trotz aller äußeren Verschiedenheit ist naturgemäß nirgends so stark wie im heiligen Lande und die Notwendigkeit der Sammlung der zersplitterten, häufig nur wegen gegenseitiger Unkenntnis und Absonderung kollidierenden Kräfte, das Bedürfnis nach Vereinigung behufs Stärkung des. politischen und moralischen Prestiges sowie Hebung der materiellen Kraft wird allgemein empfunden und anerkannt. Im praktischen Leben findet schon heute die gegenseitige Verständigung in hebräischer Sprache statt, insoweit die vorhandenen Kenntnisse es ermöglichen. Die Schule greift nur das praktische Bedürfnis auf und schafft die Grundlagen, es voll befriedigen zu können. 226

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