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Palästina · 1910-01-01 · Heft 10 · p. Seite 225

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 10
Article
Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 225 (sequence 6)
Language
German
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Wesentlich langsamer und weniger intensiv, aber um so wohltätiger wirkt der Jischub in moralischer Beziehung. Das lebendige Beispiel, welches die Kolonisten, Metayers und Arbeiter bieten, beginnt den Chalukahgedanken bei der neuen Generation abzuschwächen. Man studiert dies am besten in Tiberias, wo die Berührung mit dem neuen Elemente am häufigsten stattfindet, sowie in Jerusalem, wo der Bezalel seinen wohltätigen Einfluß ausübt. Die übliche Karriere des Bachurs, mit 15 oder 16 Jahren zu heiraten, in der Jeschiwa weiter zu studieren und selbständig Chalukah zu bekommen, ist der neuen Generation kein erstrebenswertes Ziel mehr. Die Anschauung, daß Arbeit als Erwerbsmittel eine Schande ist, verblaßt immer mehr, und ein Sehnen nach selbständigem Unterhalte, ähnlich dem Bestreben unserer Bachurim der Haskalahperiode, zu studieren, ist die Grundstimmung der Heranwachsenden. Aleistens fehlt noch der Mut zum Kampfe mit den Alten und das Selbstvertrauen in die eigene Kraft, aber hin und wieder reißt sich einer oder der andere aus dem Moraste der Chalukah los und erkämpft sich ein Arbeitsdascin, vorläufig allerdings noch häufig im Handel und in verwandten Erwerbszweigen. Aber auch der Gedanke, im Handwerk und in der Bodenarbeit seinen Erwerb zu suchen, verbreitet sich und zieht seine konzentrischen Kreise durch die sonst dem moralischen und materiellen Untergange geweihte Chalukahjudenschaft. Im allgemeinen ist der Eindruck, welchen die Städte auf den unbefangenen Beobachter machen, ein trauriger, und wer sich auf den Besuch der Städte beschränkt hat und den frischen Lufthauch der Kolonien auf sich nicht wirken ließ, der zieht nicht mit gehobener Stimmung, sondern in seelischer Depression von dannen. Das Schulwesen. Das Schulwesen ist bezüglich seiner Ausdehnung in Palästina sehr stark entwickelt. Was die türkische Regierung in dieser Hinsicht vernachlässigt, wird durch die Fürsorge der Kolonisten, des Barons, des Hilfsvereins der deutschen Juden, der Alliance Israelite Universelle, der ICA., des Odessaer Komitees und den zionistischen Organisationen mehr als aufgewogen. Es gibt Kindergärten, Volksschulen, Gymnasien, Lehrerseminare, Acherbau-, Gewerbe- und Handelsschulen. Man kann weder über die Zahl noch über eine mangelnde Mannigfaltigkeit der Schulen klagen. Wenn trotzdem das Schulwesen in Palästina noch heute nicht befriedigen kann und seinen Aufgaben nicht gerecht wird, so tragen die Schuld hiefür nachstehende Mängel: Es ist keine Einheitlichkeit in den Zwecken und Methoden vorhanden, im Unterrichte herrscht teilweise System los i g k e i t, der Schule fehlt vielfach die Anpassung an die praktischen Bedürfnisse des palästinensischen Lebens. Die Schulen werden von den verschiedenen früher aufgezählten Faktoren gegründet und erhalten, und die Anschauungen und Absichten derjenigen, welche die Mittel hergeben, sind für den Zweck, die Methoden, den Lehrstoff und die Vortraggssprache der Schulen entscheidend. 225

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