Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 4)
- Language
- German
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geht, wird sich ein Chalukahjude nur selten entschließen, seine Tochter als Magd auch in ein gut religiöses jüdisches Haus zu geben oder seinem Sohne zu gestatten, daß er irgend ein Handwerk lernt oder sonst durch physische Arbeit sein Brot verdient. Die Sephardim sind ebenfalls sehr arm, scheuen aber nicht die Arbeit. Es gibt viele Handwerker, Lastträger und Händler unter ihnen, und zur Ernte- und Weinlesezeit beginnen sie auch in die Kolonien zu wandern, um dort eine um diese Zeit nicht schlecht bezahlte Beschäftigung zu erhalten. Ein Bild wirtschaftlichen Aufschwunges bieten hingegen Jaffa und Haiffa, das eine als Einbruchstor des Jischubund als Hafen von Jerusalem, das andere als Ausgangsstation der türkischen Verbindungsbahn zu der ebenfalls türkischen Hedschasbahn und zur französischen Hauranlinie. Jaffa hat speziell im letzten Jahrzehnt einen kolossalen Aufschwung ge^ nommen. Handel und Gewerbe blühen dort, begünstigt durch den fortwährenden Zufluß neuer Menschen, Einwanderer und Touristen, weiters durch die Konzentration des Orangen- und Weintransportes sowie eines großen Teiles des für Jerusalem und für die Kolonisten bestimmten Importes von diesem Hafen aus. Trotzdem die Juden in Jaffa heute erst ein Fünftel oder ein Viertel der Bevölkerung bilden, erhält die Stadt immer mehr ein jüdisches Gepräge und der okkupative Charakter des Jischub macht sich nirgends so geltend wie hier. Das Handelsviertel strotzt von jüdischen Läden und jetzt wird im Norden und Osten der Stadt ein ganzer jüdischer Stadtteil gebaut, welcher so recht den jüdischen Charakter von Neujaffa bekunden wird. Bisher haben die Juden nur im schmutzigen und staubigen Teile von Jaffa ihre Quartiere aufgeschlagen und bloß die Deutschen und einige reiche Araber besassen schöne, den europäischen Wohnungsbegriffen entsprechende Häuser. J<;tzt erhalten auch die Juden ein europäisches Viertel, in dessen Mitte auf dem Boden des Nationalfonds das eigene Gebäude des hebräischen Gymnasiums errichtet wurde. In Jaffa herrscht diese vorher geschilderte schreckliche Not und Armut unter den Juden nur im geringem Maße. Im Gegenteile scheinen so manche der Einwanderer, welche dort mittellos oder nur mit sehr geringen Mitteln versehen ihre Zelte aufschlugen, einen Anlauf zu einer gewissen Wohlhabenheit zu nehmen. Auch aus der Armenkolonie der Jemeniten sind manche.in die Kolonie gewandert, um dort als Bodenarbeiter ihren Unterhalt zu finden. Einer großen Zukunft geht Haiifa entgegen, welches den einzigen natürlichen Hafen an der hafenarmen syrischen Küste besitzt und einen immer größeren Güter- und Personenverkehr aufweist. Die Judenkolonie ist dort nicht sehr zahlreich, sie wird . auf kaum 1500 Seelen geschätzt, aber den dortigen Juden geht es nicht schlecht, und durch den Bau des jüdischen Technikums, welches hier ebenfalls auf dem Boden des Nationalfonds errichtet werden soll, wird der Jischub in dieser Stadt einen neuen Anstoß erhalten. In Haiffa gibt es bereits ein schönes europäisches Viertel, welches von deutschen Ansiedlern bewohnt wird. Mit Unterstützung des Nationalfonds und der A. P. C. wird auch an die Er- 223