Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Eine Spitzenindustrie für Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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schicklichkeit und Kunstfertigkeit bekannt war. Richard benutzte die Gelegenheit um den Mechanismus genau zu erforschen. Als er die englische Uhr dem Pferdehändler wieder in Ordnung gebracht zurückgab, hatte er sich danach auch selbst schon eine Taschenuhr gebaut. In der Folge widmete er sich mit seinen fünf Söhnen nur der Uhrenfabrikation, die sich bald zu einer Erwerbsquelle für das ganze Land auswuchs. Ein Denkmal erinnert heute noch an ihn; aber was noch viel wichtiger ist: die Schweiz exportiert jährlich an Taschenuhren einen Wert von weit über 100 Millionen Francs!*) Italienische Hausindustrie. In Bologna hat die Aemilia ars unter Leitung von Gisela Balarini eine Hausindustrie ins Leben gerufen, die mehr als 10.000 Arbeitskräfte und Schülerinnen beschäftigt. Ihre gesamte Produktion beträgt im Jahre bis zu einer halben Million Mark. — Man beschränkt sich hier auf das Nachbilden alter Muster. Mit diesen Ausführungen, denen noch viele weitere Beispiele beizufügen wären, dürfte gezeigt sein, daß das, was hier geplant wird, keinesfalls eine kleine Sache ist. Sie ist schon mit geringen Mitteln zu beginnen — aber das ist gerade ihr Hauptvorzug. Gelingt es dann, so wird dieser Anfang zu weiteren Schritten in der gleichen oder in ähnlichen Richtungen ermutigen. Die Einzelfälle ähnlicher Erwerbsquellen, die hier angeführt wurden, zeigen, daß es sich hier nicht um eine enge Einseitigkeit handelt, sondern um den systematischen Beginn einer Industrieförderung, die schneller alle Lebensverhältnisse der jüdischen Bevölkerung Palästinas umzuwandeln vermöchte, als viele andere Wege, deren jeder wesentlich größere Mittel beanspruchen würde. Ein Hauptvorzug der Sache liegt auch darin, daß der Anfang des Anfanges schon gemacht ist, und daß in der Arbeit sowohl wie im Absatz bereits einige Erfahrungen vorliegen. Es bestehen bereits Ateliers im Lande, in denen jüdische Arbeiterinnen Spitzen und Spitzenartikei dieser Technik herstellen. Diese Arbeiten sind den ersten Fachleuten vorgelegt worden, die für die bisher in Europa so gut wie unbekannte Technik großes Interesse zeigten und beträchtliche Bestellungen zusagten, sobald durch eine genügende Anzahl ausgebildeter Arbeitskräfte bestimmte Quantitäten innerhalb gewisser Fristen geliefert werden könnten. *) 1904 für 123, 1905 fir 133, 1907 für 1493 Millionen Francs. — Daß die Juden gute Uhrmacher und Feinmechaniker sind, ist bekannt! — Die Schweizer Ausfuhr an Stickereien ist übrigens ungefähr eben so groß wie die Ausfuhr an Taschenuhren. 219