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Palästina · 1910-01-01 · Heft 9 · p. Seite 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 9
Article
Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 204 (sequence 6)
Language
German
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dem jüngeren^ besitzlosen, erst, angelangten Elemente zurückweichend Et spürt es als lebendigen: Vorwurf, wenn der jüdische Arbeiter beschäftigungslos umhergeht und Hunger leidet, ist aberanderseits nicht in der Lage,;ihm zu helfen. Den höheren Lohn zahlt er ungern, denn das Geld ist kein zu häufiger Gast bei dem Kolonisten und er spürt im-* ersten Augenblicke und unmittelbar nur die Mehrausgabe, während die Vorteile der Verwendung jüdischer Arbeiter ihm erst durch nachträgliche Reflexton bewußt werden. Er fühlt auch mit Unbehagen die Kontrolle, welche die Arbeiterpartei „Hapoel Hazair* und ihr Preßörgan ihm gegenüber ausübt und stößt sich an dem überflüssigerweise Ton den Arbeitern betonten angeblichen Klassengegensätze. Dann möchte er auch als Brotgeber, als Besitzender und als derjenige, welcher früher ins Land gekommen ist, etwas mehr Respekt genießen. Der Kolonist fühlt die Stärkung, welche der Jischub durch die Arbeiter erfährt, insbesondere gegenüber eventuellen Uebergriffen der Araber, anderseits erfüllt ihn das freie, ungebundene Wesen des Arbeiters, sein trotziges Auftreten gegenüber den Arabern mit Besorgnis vor Konflikten, bei welchen er als das am Orte bleibende seßhafte Element am meisten leiden könnte, und die er froh ist, nicht zuletzt durch die Beschäftigung der Fellachen als Aibeiter zu vermeiden. Den jüdischen Arbeiter wieder kränkt das seiner Ansicht nach rückschrittliche Wesen der Kolonisten, ihre Selbstsucht, ihr Mangel an Selbstbewußtsein und an Idealismus, wie er dies versteht. Die Lebenshaltung-des Arbeiters ist eine, sehr schlechte. Er leidet vor allem an? dem Manger geeigneter Wohnungen und warmer Küche. Dieser letztere Mangel ist besonders unangenehm. Es geschieht manchmal wochenlange, daß jüdische Arbeiter am frühen Morgen, nachdem sie ihren Tee getrunken haben, zur Arbeit hinausgehen, sich zum Mittagessen mit dem mitgebrachten Brot, einer Kanne Milch und eventuell harten Eiern begnügen müssen, und abends, wenn sie erschöpft von der ungewohnten schweren Arbeit im ungewohnten Klima nach Hause kommen, nichts Warmes zu essen haben, um ihre Kräfte zu erneuern und die Widerstandsfähigkeit gegen die Malaria zu erhalten. In den letzten Zeiten sjnd einige geringe Fortschritte in der Lage der Arbeiter zu verzeichnen. Die Kolonien beginnen langsam den Arbeitern geeignete Wohnungen anzuweisen und sind ihnen auch manchmal in der Begründung von Arbeiterküchen behilflich. Letztere haben einen schweren Stand bei dem außerordentlichen Kameradschaftsgefühl der Arbeiter, welche den erwerbslosen Kameraden niemals von der Mahlzeit ausschließen, trotzdem sie nicht in der Lage sind, von ihren kärglichen Löhnen andere zu unterstützen. Die Stellung des jüdischen Arberters ist eine sehr schwierige und von beiden Teilen werden viele Fehler gemacht, welche eine Aenderung des Zustandes aufhalten. Nichtsdestoweniger muß man speziell in Galiläa konstatieren, daß die jüdische Arbeiterschaft gegenüber der arabischen immer mehr Raum gewinnt. Die Farmen der IKA in Sedjera und der P.L.D.C. in Kineret beschäftigen ausschließlich jüdische Arbeiter. Ebenso stellen die Kolonisten in Galiläa immer häufiger jüdische Arbeiter an. Eine große Bedeutung für die Entwicklung in diesem Sinne haben die Metayers, 204

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