Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 7)
- Language
- German
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welche selber zum großen Teile aus dem Arbeiterstande hervorgegangen, sich ihrer Pflichten gegen die Jüdische Arbeiterschaft stärker bewußt sind, jüdischer Arbeiterstarid und Metayagesystenv bedingen einander. Beide sind gleichwertige Voraussetzungen derged ei h liehen Entwicklung der Kolonisationsarbeit; " 1 '•" Im Vorbeigehen will ich einige Worte den jemenitischen und unseren, den galizischen Arbeitern widmen. Die jemenitischen Arbeiter zeichnen sich durch eine ganz außerordentliche Bedürfnislosigkeit aus. Ihre Lebenshaltung steht vielleicht sogar noch um eine Stufe niedriger als die der palästinensischen Fellachen. Dies ermöglicht ihnen bei einem Tageslohne von 2 Bischlik, d. i. etwa K 1.14, noch namhafte Ersparnisse zu machen, mit denen sie vorerst ihre durch die Einwanderung aus Südarabien entstandenen Schulden abzahlen und sich noch die Möglichkeit verschaffen, während der beschäftigungslosen Zeit auszuharren. Sie sind wirklich konkurrenzfähig mit den Arabern, wenn sie auch physisch etwas schwächer sind. Sie dürften sich in den judäischen Kolonien mit Weib und Kind erhalten, trotzdem dort bisher nur für ledige Arbeiter eine beschränkte Existenzmöglichkeit vorhanden war. Ihre Frauen und Töchter verdingen sich ebenfalls in jüdische Häuser und helfen hiebei einem sehr dringenden Mangel in Palästina, nämlich dem H/langel an Hausdienerschaft ab. Die erste Probe wurde mit den Jemeniten in Rechowot gemacht und hat für beide Teile, Kolonisten und Jemeniten ein sehr gutes Ergebnis gezeitigt Die Anzahl der Jemeniten in den judäischen Kolonien ist im raschen Steigen begriffen. Galizische Arbeiter gibt es zur Zeit noch sehr wenige. Ihre Zahl ist im Steigen begreifen. Einige, welche der Arbeit und den schweren Lebensbedingungen im Lande nicht gewachsen waren, sind nach Galizien zurückgekehrt, der Rest ist zwar etwas weniger entwickelt als die Russen, bildet aber immerhin ein weitvolles, ruhiges Element, welches sich eher der unter den Kolonisten herrschenden, leicht erklärlichen Stimmung anzupassen weiß. Die Kolonisten sind auch wesentlich besser auf sie zu sprechen als auf die russischen Arbeiter. Das Bild des Lebens in den Kolonien wäre in einem wesentlichen Punkte unvollständig, wenn wir das Verhältnis unserer Ansiedler zu den Arabern unbeachtet ließen. Hierüber soll aber in einem anderen Zusammenhange gesprochen werden. 3k Kurze Nachrichtenschau. — Die hohe Pforte beschloß, allen in der Türkei Eingewanderten, die osmanische Untertanen werden, sechs Jahre Freiheit vom Militärdienste zu gewähren. — Der türkische Minister des Innern hat die Inlandspässe (Teskere) die bisher nötig waren, um sich von einer Provinz in die andere zu begeben, abgeschafft. — In Haiffa eröffnet der Hilfsverein eine Knabenschule, welche die Schuler zur Aufnahme m das Institut für technische Erziehung vorbereiten soll. 205