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Palästina · 1910-01-01 · Heft 9 · p. Seite 203

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 9
Article
Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 203 (sequence 5)
Language
German
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Kleidung einen Pappenstiel, 'die Nahrung bei der Gewöhnung an das Klima und an schwere physische Arbeit ein Geringes, insbesondere da sie ihm im eigenen Hause bereitet wird. Der Lohn, welchen der jüdische Arbeiter beanspruchen muß, um das Lebensminimum bestreiten zu können, muß also wes entlich höher sein als der Lohn, mit welchem sich der Araber begnügt. Die Arbeit des jüdischen Arbeiters ist allerdings wertvoller, denn er ist intelligenter, anstelliger, insbesondere bei qualifizierter Arbeit, wie z. B. beim Pfropfen achtsamer, ehrlicher und geht mit dem Geräten und mit dem Saatgute gewissenhafter um, während der Araber oft diebisch und faul ist und eine ständige Aufsicht über seine Arbeit nötig macht. Im großen und ganzen kommen die Kolonisten nicht schlecht davon, wenn sie dem jüdischen Arbeiter mehr zahlen. Man kann sogar ruhig behaupten, daß es für sie Ökonomischer ist, den jüdischen Arbeiter zu beschäftigen^ denn dieser verzehrt außerdem noch seinen ganzen Lohn in der Kolonie, wovon die Kolonisten Nutzen ziehen, während der Araber den Lohn in sein arabisches Dorf trägt. Die Löhne des jüdischen Arbeiters betragen, von 1 Frcs.,dem niedrigsten Satze angefangen, etwa Frcs. 1.20 bis Frcs. 1.60 gewöhnlich bis zu 2 Frcs. und ganz ausnahmsweise für vorzügliche höhere Arbeit beim Pfropfen sogar 5 Frcs. täglich. Im Monatslohne erhält der jüdische Arbeiter Kost und Quartier sowie 10 - 20 Frcs. monatlich. Die auf Monatslohn beschäftigten Arbeiter stehen sich am besten, dagegen reicht der Tagesloh» kaum für die nackte Lebenshaltung aus, da für die billige Befriedigung der Bedürfnisse der Arbeiter in den meisten Kolonien nicht vorgesorgt ist. Dort, wo es mehr oder weniger das ganze Jahr Beschäftigung gibt, d. i. in jenen Kolonien, welche sich mit dem Getreideanbau befassen, ist noch eine Existenzmöglichkeit für die Dauer gegeben. Daher gehen auch die meisten Arbeiter nach Galiläa, wo ihre Zahl von Jahr zu Jahr im Zunehmen begriffen ist. Dagegen besteht in den PHanzungskolonien Judäas der größte Uebelstand darin, daß für mehrere Monate im Jahre die Arbeit ausfällt, so daß in dieser Zeit die jüdischen Arbeiter aller Erwerbsmöglichkeit beraubt sind. Das Verhältnis zwischen den Arbeitern und Kolonisten ist. nicht das beste. Die Kolonisten fühlen sich schon durch die stolze, selbstbewußte Art des Auftretens der Arbeiter in ihrem Gefühle als „Baale-batimu verletzt, insbesondere da sie die Ueberlegenheit des neuen Elementes instinktiv herausfühlen. Die Arbeiter wiederum sehen auf die Kolonisten ein wenig herab, als auf Leute, welche. Unterstützungen erhalten haben, eder als auf „Bourgois", welche von dem Mehrwerte der Arbeit anderer leben wollen. Die Arbeiter tragen manchmal nicht genug Rechnung dem Gefühle für religiösen Anstand, welches ich früher geschildert habe und erregen manchmal Anstoß durch mutwillige, jedenfalls überflüssige Verletzung des Sabbat. Der Kolonist fühlt sich unbehaglich gegenüber dem Arbeiter, welchen er außerordentlich vorsichtig und höflich behandeln muß und dem gegenüber er sich in einem gewissen Zustande moralischen Zwanges befindet Er kann ihn nicht ganz von dem Mitsprechen in den Angelegenheiten der Allgemeinheit ausschließen, anderseits will er auch nicht vor 203

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