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Palästina · 1910-01-01 · Heft 9 · p. Seite 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 9
Article
Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 200 (sequence 2)
Language
German
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das Kartenhaus einstürzte.,- Welche .Summen bei diesem- System verschwendet wurden, möge wieder ein Beispiel illustrieren. In der Kolonie Ekron, welche sehr fruchtbaren, fü> Getreidebau geeigneten Boden hat, wurden Kolonisten angesiedelt, welche von Hause aus die Landwirtschaft kannten und schon in Rußland dem Ackerbau oblagen. Die Größe des zur Verfügung stehenden Bodens stand aber in einem krassen Mißverhältnisse zu der Anzahl der Ansiedler. Statt nun durch Zukauf von Boden die Existenz der Kolonisten als Ackerbauer zu sichern,. verfiel die Administration auf die Idee, sie zu Pflanzern zu machen, in welchem Falle der vorhandene Boden zur Not ausgereicht hätte. Die Folge war die, daß die Kolonisten viele Jahre von der Kasse des Barons erhalten werden mußten, daß sie statt zu arbeiten, müßig herumgingen; denn sie verstanden sich auf Getreidebau und nicht auf Pflanzungen, daß die Pflanzungen auf dem hiezu ungeeigneten Boden mißrieten und daß man schließlich dazu gelangte, was man im Vorhinein hätte wissen können, nämlich daß Boden in hinreichendem Maße zugekauft werden müsse.. Inzwischen waren - viele Hunderttausende von - Francs direkt hinausgeworfen, die Kolonisten der Arbeit entwöhnt und zu Schnorrern herangezüchtet worden. Neben dem materiellen Mißerfolge war der moralische Schaden, welchen das geschilderte System angerichtet hat, ein ganz enormer. Nach 20jährigen sehr traurigen.Erfahrungen ist der Baron, beziehungsweise die IKA, unter deren Firma er weiter arbeitet und immer neue Mittel der Kolonisation zuwendet, zu dem neuen Kolonisationssysteme gelangt, welches in Palästina allgemein das Matayagesystem d. i.J^achtsystem genannt wird. Der Grundgedanke dieses neuen, meiner Ansicht nach, einzig rationellen Systemes besteht darin, daß nur Leute, welche die Landwirtschaft, wie sie in Palästina betrieben werden muß, genau kennen, angesiedelt werden und daß man den Ansiedlern soviel Boden gibt, daß sein Ertrag bei Körnerbau zur Erhaltung einer Familie vollkommen hinreicht. Angesiedelt werden nur die Ze'irim, die Söhne der Kolonisten, welche auf dem Boden aufgewachsen sind oder erprobte Landarbeiter, welche mindestens 2—3 Jahre in Palästina selbst gearbeitet haben. Die Ansiedler erhalten 250 - 300 Dunam Boden, also etwa 40—50 Joch, das Geld zum Baue eines Wohnhauses und der Wirtschaftsgebäude, zur Anschaffung von lebendem und totem Inventar sowie fär. Saatgut und die Erhaltungskosten bis zur ersten Ernte. Das Areal ist so ausgemessen, daß es vom Metayer selbst mit Hilfe seiner Familie oder eines Arbeiters mit Getreide und Hülsenfrüchten bestellt werden kann. Die Stelle erhält er definitiv nach Ableistung eines Probejahres. Die Installation eines solchen Metayers kommt auf ca. 12.000—14.000 Frcs. zu stehen, welcher Betrag in Annuitäten von ca. 250 Frcs. zurückzuzahlen ist. Die Verzinsung beträgt 1V-' — -% in den ersten zehn Jahren und steigt dann progressiv bis zu 3% In der Annuität ist die Amortisation des Kapitales bereits enthalten. Wenn der Metayer die Rate nicht zahlt, wird er von seiner Stelle entsetzt, erhält aber vom Boden soviel als freies Eigentum ausgeschieden, als er auf das Kapital bereits abgezahlt hat. Bis zur gänzlichen Amortisation des Kapitales bleibt das Eigentum des Bodens 200

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