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Palästina · 1910-01-01 · Heft 9 · p. Seite 199

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Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 9
Article
Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 199 (sequence 1)
Language
German
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Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina. Von Dr. Alex. Hausmann-Lemberg. Die Kolonien III.*) Mein Bild der Kolonien wäre unvollständig, wenn ich nichts über die neue Methode der Kolonisation, das Metayagesystem, welches Rothschild, beziehungsweise die 1KA jetzt in Anwendung bringt, sowie über die Verhältnisse der jüdischen Arbeiterschaft in den Kolonien mitteilen würde. Die bisher bestehenden Kolonien haben 'ganz enorme Summen verschlungen, wesentlich größere als notwendig war. Die Ursache hievon waren zwei Grundfehler der Kolonisationsmethode, erstens, daß man Leute ansiedelte, welche den palästinensischen Ackerbau nicht kannten, und zweitens, daß man den Kolonisten zu wenig Boden gab, als daß sie von dessen Ertrage allein hätten leben können. Hiezu trat noch ein ganz unsinniges Bevormundungssystem, welches eine zahlreiche, kostspielige, häufig unehrliche Administration mit sich brachte, und schließlich überflüssige luxuriöse Einrichtungen, welche sich der Baron, der Phantasie eines reichen Mannes fröhnend, manchmal irregeführt durch unehrliche Administratoren, leistete. Welche ungeheure Verluste die Unkenntnis der palästinensischen Landwirtschaft verursachte, möge durch ein Beispiel illustriert werden. Pethach Tikwah wurde als eine Ackerbaukolonie gegründet, der Boden aber, welchen die Kolonisten kauften, war zu diesem Zwecke vollständig ungeeignet. Nach einigen Jahren des Mißerfolges, wobei die Kolonisten ihre eigenen Mittel verzehrten und in Schulden gerieten, wurde der Körnerbau aufgegeben und mit Hilfe des Barons Weinreben gepflanzt. Bis die Rebe zum Fruchtertrage gelangt, dauert es sechs Jahre, in welcher Zeit man vom Kapitale zehren muß. Es stellte sich heraus, daß auch die Rebe nicht den richtigen Ertrag gibt und daß der Boden sich eigentlich am besten für die Orangenkultur eignet. Man rodete die Rebe, von der man eine Reihe von Jahren dank der Unterstützung des Barons und der übertrieben hohen, künstlichen Preise gelebt hatte, zum großen Teile aus und legte Bojaren an, welche große Kapitalsinvestitionen erforderten und ebenfalls erst im sechsten bis achten Jahre einen vollen Ertrag gewähren; Noch mehr wurde in der Richtung gesündigt, daß man den Kolonisten zu wenig Boden gab, als daß sie von dessen Ertrage hätten leben können. Das Ideal des Barons war intensive Kultur, Pflanzungen, welche enorme Summen verschlangen und bei denen man die Kolonisten eine längere Reihe von Jahren bis zum Fruchtet trage durch bare Unterstützungen erhalten mußte. Diesem Ideale zuliebe wurden Millionen für die künstliche Hochhaltung der Preise der Trauben geopfert und der Erfolg war, daß Kolonisten, welche keine 50 Dunam Boden besaßen, also von dem Ertrage dieses Bodens sich unmöglich erhalten konnten, eine Reihe von Jahren aus der Tasche des Barons bequem lebten, bis die Krise hereinbrach und *) Siehe Artikel in Nummer 6 7 und 8. 199

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