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Palästina · 1910-01-01 · Heft 9 · p. Seite 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 9
Article
Erwerbsaussichten für jüdische Einwanderer in Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 191 (sequence 6)
Language
German
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Zahnärzte. Die Aussichten für Zahnärzte sind zurzeit nicht günstig. Es gibt" in jeder Stadt mit größerer jüdischer Bevölkerung mehrere arabische und jüdische Zahnärzte, letztere meistens mit russischem Zahnarztdiplom. In den jüdischen Kolonien gibt" es keine Zahnärzte, und es ist auch zweifelhaft, ob in einer Kolonie ein Zahnarzt seine Existenz finden wird, da die größte jüdische Kolonie nicht mehr als 1000 bis 1500 Einwohner enthält. Die Mundpflege findet bei der palästinensischen Bevölkerung noch wenig Verständnis. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß ein Zahnarzt in Jaffa oder Haifa noch seine Existenz finden kann. Ein Diplom für die Ausübung zahnärztlicher Praxis wird von der Regierung nicht verlangt. ' Architekten. Die Bautätigkeit ist in Palästina sehr rege. Die Hospitäler, Schulen, Gotteshäuser vermehren sich von Jahr zu Jahr, und auch Privathäusei, allerdings meist kleine, wenig kostspielige Häuser, werden in großer Zahl gebaut. Bisher sind für große Bauten besondere Architekten aus Europa "berufen worden, während Privatleute ihre Häuser meist ohne Hilfe eines Architekten durch hiesige Maurermeister bauen lassen. Indessen würde ein tüchtiger, erfahrener Architekt in Jaffa, Haifa oder Jerusalem wahrscheinlich doch von vielen Bauunternehmern zu Rate gezogen werden und könnte sich eine auskömmliche Existenz verschaffen Bisher gibt es nur in Jerusalem und in Galiläa je einen Juden, welche Architekten-Arbeiten übernehmen. Chemiker haben zurzeit in Palästina keine Aussicht auf Existenz, falls sie kein eigenes Kapital haben. Leute mit 10X00 bis 20.000 Frcs. Kapital könnten dagegen durch die Fabrikation von Droguerien, ätherischem Oel und durch die Herstellung von Eis auf. einer modernen Eismaschine voraussichtlich ihr Auskommen finden. Technikerundingenieure. Techniker und Ingenieure werden bei der bisherigen geringen industriellen Entwicklung Palästinas nur in sehr geringer Zahl gebraucht. Techniker und Ingenieure sind angestellt: a) beim Bau der projektierten oder bereits im Bau befindlichen Eisenbahnen. Anstellung durch die türkische Regierung je nach Bedarf. Die meiste Aussicht auf Anstellung haben Ottomanen, Franzosen oder Deutsche. Kenntnis der französischen Sprache erforderlich. b) in den Maschinenfabriken von Stein und Wagner in Jaffa und der Fabrik Athid in Haifa. Augenblicklich keine Vakanz. Der Bedarf an Ingenieuren und Technikern wird steigen, sobald die zahlreichen Projekte für künstliche Bewässerung, Gas- und elektrische Beleuchtung, Tramways, Kleinbahnen und Chausseebauten ihrer Verwirklichung näher rücken. Vorläufig finden Ingenieure und Techniker ohne eigenes Kapital in Palästina noch kein geeignetes Tätigkeitsfeld. Tierärzte. Für einige tüchtige Tierärte bietet sich in Palästina aller Voraussicht nach noch die Möglichkeit einer Existenz. Es gibt bisher in Palästina nur einen jüdischen Tierarzt in Chedera und einen von der türkischen Regierung angestellten Tierarzt, der aber anscheinend nur sehr selten in die landwirtschaftlichen Kolonien kommt. Da der Viehbestand sowohl in den deutschen wie auch in den jüdischen Kolonien nicht unbeträchtlich ist und Viehkrankheiten ziemlich häufig sind, dürfte sowohl in Judäa wie in Ober- und Untergaliläa für je einen Tierarzt genügend Beschäftigung vorhanden sein. Allerdings wird dem Tierarzt im Anfang die ziemlich schwere Aufgabe zufallen, die Kolonisten durch die Praxis von der Wichtigkeit einer rechtzeitigen tierärztlichen Behandlung zu überzeugen. Wenn dies gelingt, 191

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