Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Erwerbsaussichten für jüdische Einwanderer in Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 4)
- Language
- German
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als Klempner gut und sehr billig arbeiten. Vereinzelt können Handwerker, in diesen Berufen noch Beschäftigung finden, müs en aber wenigstens "etwas Geld mitbringen, um über die schwere Anfangszeit hinwegzu-; kommen. Tischler haben infolge der starken Bautätigkeit viel Beschäftigung, und gute Tischler werden auch weiterhin ihre Existenz finden. Der Taglohn i>t 3—4 Frcs. Ebenso gibt es für Bauhandwerker, insbesondere Maurer und Steinhauer Beschäftigung, da diese beiden Berufe unter den Juden Palästinas wenig verbreitet sind, so daß die infolge der regen Bautätigkeit ziemlich große Nachfrage nach jüdischen Maurern und Steinhauern nur teiweise befriedigt werden kann. Tüchtige Maurer und Steinhauer können 4—6 Frcs. täglich verdienen. Bäcker ,mit. guter Vorbildung könnten . als Gesellen 70—80 Frcs. monatlich verdienen. Bäcker mit einem Kapital von 4000 - 6000 Frcs.. könnten noch in der einen oder anderen Stadt Palästinas Erwerb finden, wenn sie gute Backwaren zu liefern imstande sind. Einige Barbiere mit europäisch gut eingerichteten Friseur- und Rasierladen könnten wahrscheinlich in Jaffa, Jeiusalem und Haifa noch ihr. Brod verdienen. Was die Großindustrie anbetrifft, so haben bei dem niedrigen Zoll^ satze in erster Reihe jene Industrien Aussicht auf erfolgreiche Konkurrenz mit dem Auslände, welche das Rohmaterial hier im Lande vorfinden. Als aussichtsreich sind daher zunächst diejenigen Industriezweige zu bezeichnen, die eine Verwertung der Landesprodukte bezwecken (wie z. B. Mühlenindustrie, Frucht- und Gemüsekonservenfabrikation, Oel- und Seifenfabrikation u. dg!.). An zweiter Stelle sind verschiedene Arten Transportunternehmungen, wie Bahn-, Automobil-, Tramway-, Omnibusu. dgl., ebenso wie Telephonanlagen, .Errichtung von Seebadeanstalten und Bau von Straßen als voraussichtlich rentable Unternehmungen zu bezeichnen. Alle Art Kommunikationsunterhehmunacen werden nicht nur infolge der zu erwartenden Entwicklung des Landes sich als rentabel erweisen, sondern auch viel zur Hebung des Fremdenverkehrs beitragen. Mehrere dieser Projekte werden zurzeit teils von Gesellschaften, teils von privaten Interessenten studiert. Im allgemeinen muß man sagen, daß für die meisten neuen Industrieprojekte, die nur mit großem Kapital sich durchführen lassen, generelle Auskünfte nicht genügen. Diejen gen, die ernstlich für solche Unternehmungen sich interessieren, müssen an Ort und Stelle persönlich und mit Hilfe technischer Sachverständiger die Bedingungen der b treffenden Industrie prüfen. In vielen Fällen sind auch theoretische Feststellungen unzureichend und können einen praktischen, wenn auch ganz im kleinen durchgeführten Versuch nicht ersetzen. III. Erwerbsaussichten in Handel und Verkehr. Im palästinensischen Handel sind die Erwerbsaussichten für neue Einwanderer ziemlich gering. Der noch wenig entwickelte Engroshandel ist zum großen Teil in den Händen der Araber und der sephardischen Juden, mit welchen der aus Osteuropa einwandernde Jude in den ersten Jahren kaum konkurrieren kann, da er die Landesverhältnisse und die Landessprache (das. Arabische) nicht kennt. Kaufmännische Bureaus sind nur in geringer Zahl vorbanden und Stellen für kaufmännische Bureauangestellte gibt es deshalb nur wenige. Mittellose junge Kaufleute sind deshalb dringend zu warnen, ohne vorherige genaue Erkundigung, ob für sie offene Stellen vorhanden sind, nach Palästina zu kommen. Am meisten Aufsicht bei Besetzung offener Stellen haben Korrespondenten, die das Französische beherrschen; 189.