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Palästina · 1910-01-01 · Heft 9 · p. Seite 184

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 9
Article
Von Weinbergen und Weinreben
Date
1910-01-01
Page
Seite 184 (sequence 2)
Language
German
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zu gründenden Kolonien, respektive in den bisherigen Dörfern ihren Lebensunterhalt in der Anlage von Weinbergen finden würden. , Ich möchte hier nicht dabei verweilen, näher auf die Bedeutung einzugehen, welche dem Weinbau in Bezug auf d\ie Entwicklung des genossenschaftlichen Systems zuzuschreiben ist. Dieses ist hier kein leeres Schlagwort, es ist längst in Wirklichkeit umgesetzt worden. Die Winzer, die vordem unter dem Baron Rothschild auf keinen „grünen Zweig44 kommen konnten, haben sich nach ihrer EmanziDation zu Genossenschaften zusammengeschlossen. Bekannt ist ja der „Karmel", die Genossenschaft jüdischer Weinbauern, die in aller Herren Ländern ihre Niederlassungen besitzt, eine großzügige moderne Gesellschaft repräsentiert, als solche sich durchgesetzt und den Beweis ihrerExistenzfähigheit geliefert hat. ■; Eine zweite Krisis des jüdischen Weinbaues darf aber unter keinen Umständen mehr eintreten! Die Zeit muß Vorbei sein, wo derartige Mißerfolge sich ereignen konnten. Wir müssen vorbauen, solange noch keine Gefahr droht. Eine solche scheint übrigens gar nicht so ferne. Nun haben sich die jüdischen Palästina weine nur in beschränkten Quantitäten, nicht in vollem Maße durchgesetzt, teils weil sie im Preise nicht mit den billigeren europäischen Weinen konkurrieren können, teils weil sie als recht schwer gelten. Es sind übrigens deutliche Anzeichen vorhanden, daß die jüdischen Familien des Westens mehr zur größten Mäßigung zurückkehren und die alkoholhaltigen Getränke im Hause nicht mehr trinken. Es soll nun hier eine kleine Anregung gegeben werden welche nach einer Seite hü eine gewisse Sicherung der Produktion bieten könnte. Vor etwa drei Jahren hieß es schon einmal, die jüdischen Weinbauern wollten auch alkoholfreie Traubensäfte herstellen. Leider wurde diese Absicht nicht in die Tat umgesetzt. Ja, der Kellermeister von Rischon glaubte sich einmal ganz energisch gegen eine solche Herabwürdigung seiner Trauben aussprechen zu müssen. . Es liegen aber gewichtige Gründe vor, der Bereitung alkoholfreier Weine (besser gesagt Traubensäfte) das Wort zu reden. Einesteils weil die Produktion jedes Mittel ergreifen muß, das ihr neue AbsatzqueLen erschließen kann. Die Abstinenz- und Temperenzbewegung ist heute bei den Juden so weit verbreitet, daß manche den Palästinawein nur aus diesem Grunde refusierten. Ein guter Kaufmann wird sich aber nicht damit abfinden, daß der Kunde seine Wünsche ändert, sondern wird sich lieber selbst den Forderungen des Tages anpassen. Den Weinabsatz von Palästina heben heißt aber die Zukunft der Kolonisation fördern und sicherstellen. 184

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