Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
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aber die jungen harren am Posten aus und hängen mit zäher Liebe an dem traurigen Boden. Man hat zu Assanierungszwecken die Trockenlegung der in der Kolonie befindlichen Sümpfe durch Anlage umfassender Eukalyptuspflanzungen versucht. Es sind zirka 500.000 Eukalyptusbäume gepflanzt worden, welche — dies sei nebenbei erwähnt — heute d. h. nach kaum 10 Jahre seit ihr Anpflanzung, nach Ansicht von Kennern einen Wert von über 1,000.000 Frcs. repräsentieren. Außerdem hat man das Trinkwasser durch Vertiefung des Brunnens und Anlage von Filtern verbessert. Eine vollständige Assanierung kann erst mit Trockenlegung der umgebenden Sümpfe erfolgen. Jedenfalls ist bereits heute in den Gesundheitsverhältnissen von Chederah ein kolossaler Fortschritt zu verzeichnen. Seit Oktober 1907 bis zu der Zeit, wo ich dort war, also Ende April 1909, wai kein einziger perniziöser Fall zu verzeichnen.*) Die Kolonisten, welche sonst über den Sommer, die gefährlichste Zeit, die Kolonie zu verlassen pflegten, beschlossen heuer zu bleiben Wenn der heurige Sommer ohne Malariafälle vorübergeht, so kann man nach Ansicht des Dr. Hillel Joffe, des Arztes von Sichron Jakob und der größten Autorität auf diesem Gebiete in Palästina, von einer definitiven Assanierung der Kolonie sprechen. Dies wäre sehr erfreulich, weil die Kolonie die größten Chancen des Gedeihens hat und meiner Ansicht nach bei Besserung ihres sanitären Zustandes einer glänzenden Zukunft entgegengeht. Ebenso erfreulich wie die günstige Mortalitätsziffer ist die starke Geburtenziffer in den Kolonien. Die Kolonisten erfreuen sich eines reichen Kindersegens, welcher für die natürliche Stärkung und Vermehrung des Jischub von Bedeutung ist. Wie fühlen sich die Kolonisten? Es dünkt uns bei Beantwortung dieser Frage, als ob wir unter eine lange Reihe von Ziffern den Strich zögen, um die Summe, das Ergebnis zu ermitteln. Nirgends, wo Juden wohnen, kann man so die Versicherung hören, daß es einem gut gehe, daß man mitseinem Lose zufrieden sei, ja daß man sich glücklich fühle. Dabei ist das Kolonistendasein absolut kein sorgenfreies. Reichtum ist überhaupt wenig vorhanden und auch Wohlhabenheit im Sinne eines Vermögens, von dem allein man behaglich leben könnte, findet sich nur bei wenigen. In der letzten Zeit ist auch die persönliche Sicherheit, speziell in Galiläa, nicht ganz ungefärdet. Trotz alledem ist uns das Wohlbefinden der Kolonisten begreiflich. Die volle, von außen nicht gebundene Freiheit, welche man selbst aus freiem Willen, aus einer gewissen sozialen Reife im Interesse der Allgemeinheit einschränkt, das volle Selbstbestimmungsrecht in kultureller Beziehung, das sich Auslebendürfen und Auslebenkönnen alsjude ohne Rücksichtnahme auf eine ^Umgebung, welche einen gegen den innersten Willen *) Neuerdings sollen einige wenige derartige Fälle doch wieder vorgekommen sein. 174