Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
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beeinflußt und niederdrückt, sind wohl äußerlich nicht faßbare, aber innerlich sehr wirksame Momente, ge. radezu di e Que 11 en dieses bei Juden so ungewohnten Empfindens von Glück und Zufriedenheit. Am besten läßt sich die Wirkung des palästinensischen Lebens an den Ansiedlern beobachten, welche erst kurze Zeit im Lande wohnen. Diese erleben direkt Hon igmonde der Vereinigung mit dem geliebten Boden Wir haben in Katra zwei solcher neuer Ansiedler kennen gelernt. Der eine, Vater von neun Kindern, ist mit einem kleinen Kapital ins Land gekommen. Der Mann fühlte sich vollkommen glücklich und war noch nach 6 Monaten so außer sich vor Freude, daß er nicht ging, sondern herumhüpftc und jedem Fremden unter fortwährenden Versicherungen seines Glückes sein Häuschen und seinen Gemüsegarten zeigte und bat, nur jedes Gräschen und jede Rübe und jede Möhre anzusehen, denn er habe sie mit eigenen Händen gepflanzt. Mit Stolz erzählt er, daß seine älteste Tochter, welche vor der Gymnasialmatura stand, leichten Herzens und freiwillig auf das Studium verzichtete, um jetzt die Näharbeiten in der Familie zu besorgen und in Haus und Hof behilflich zu sein. Der andere, ein wohlhabender, intelligenter Mann, war ebenfalls vor etwa 6 Monaten mit Frau und drei Kindern nach Katra gekommen, wo er ein Haus und 800 Dunam Boden erwarb. Der Mann war vor der Ansiedlung weder Landwirt noch Zionist. In seinem Hause fiel uns eine große Bibliothek auf, in der sich viele Bücher in russischer, französischer und deutscher Sprache befanden. Ihn selber trafen wir im Arbeitsanzuge. Er zeigte uns seinen Gemüsegarten, seine landwirtschaftlichen und seine Brutmaschinen, auf welch letztere er besonders stolz war. Auf unsere Frage, wie er ein wohlhabender und an das großstädtische Leben gewöhnter Mann sich in diese kleine Kolonie einleben konnte, sagte er wörtlich: Er fühle sich so glücklich, daß, wenn er heute stürbe, er es nicht bedauern würde, da er vom Leben genug Gutes gehabt. Ich glaube im ganzen Golus würde sich kein Jude finden, auch nicht der reichste, der begabteste oder der mächtigste, welcher so stolze Worte wagen könnte. Es scheint doch mehr als eine agitatorische Phrase zu sein, daß das Leben nach eigener Art, der Abzug aus einer feindlichen und fremden Umgebung, das Gefühl einen festen, den eigenen Boden unter den Füßen zu haben, glücklich machen kann. W Statistik der Auswanderer nach Palästina für die Zeit vom 1. Jänner bis 30. Juni 1910. Bericht des Informationsbureaus für Palästina-Wien. Während der Berichtszeit haben den Weg über Wien nach Palästina 133 Personen genommen. Von diesen waren aus: Galizien...........44 Palästina...........34 175