Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
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spräche ztr bedienen. Sie lernen das Hebräische schon in den Kindergärten und vervollkommnen ihre Kenntnisse in den Volksschulen, wo die Einführung des Hebräischen als ausschließliche Vortragssprache überall mit Konsequenz durchgeführt wird. Es ist direkt rührend, anzuhören, wie die kleinen Kinder bei ihren kindlichen Spielen sich untereinander der hebräischen Sprache bedienen. Ein großes Verdienst erwirbt sich in dieser Hinsicht die Lehrerschaft, welche. auch in ihrem Privatleben soviel als möglich das Hebräische als Umgangssprache in Anwendung bringt. Ich habe Lehrerfamilien kennen gelernt, wo die Eltern mit ihren Kindern ausschließlich hebräisch verkehren und wo diese letzteren manchmal den Jargon nicht einmal verstehen. Es läßt sich überall die Tendenz zur Ausbreitung des Hebräischen feststellen und wenn nicht bei der schon herangewachsenen, so wird sich doch bei der folgenden Generation in den Kolonien sicherlich das Hebräische zur herrschenden Verkehrssprache entwickeln. Die sefardischen und jemenitischen Juden in den Kolonien sprechen untereinander arabisch, mit anderen Kolonisten verständigen sie sich aber in hebräischer Sprache. Die bisherige Schilderung des Lebens in den Kolonien muß in einem Wesentlichen Punkte ergänzt werden. Es handelt sich um das Verhältnis des Kolonisten zur Arbeit in Feld, Hof und Stall, in welcher Beziehung frühere, vertrauenswürdige Berichte von berechtigten Klageb wimmelten. Die Arbeit wurde von arabischen Taglöhnern verrichtet und nicht einmal die Leitung und Beaufsichtigung der letzteren lag in den Händen der Kolonisten, da sie in den Tätigkeitsbereich der baronschen Administration gehörte, welche in dieser Richtung noch mehr als in allen übrigen die Ansiedler bevormundete und ihnen jedes Selbstbestimmungsrecht und zugleich damit jedes Verantwortungsgefühl benahm. Dem Kolonisten blieb nur der leere Name, weicher weder zu seiner Lebensweise noch zu seiner BescJbäfti-gung paßte-.piesbezüglich ist seit der Abschaffung der Rothschildischen Administration' eine Entwicklung zum Besseren zu konstatieren. Die neuen Ansiedler und. die Metayers, über die noch ausführlich gehandelt werden soll, bebauen;aushahmslos selber den Boden. Ebenso arbeiten die meisten „Zeirim", die Söhne der Kolonisten. Auch die ältere Generation hat sich teilweise) der persönlichen Arbeit auf dem Felde zugewendet, in Galiläa in größerem Maße als in Judäa. Alle Kolonisten aber mit sehr geringen Ausnahmen beaufsichtigen und leiten persönlich die Arbeit, welche unter dem Auge des Herrn wesentlich besser fortschreitet. Kommt man zur Zeit der Feldarbeiten in die Kolonie, so sind keine Männer anzutreffen. Alles ist draußen auf dem Felde. Die Tendenz der Entwicklung geht jedenfalls dahin, daß mit der Zeit jeder Bodenbesitzer persönlich an der Arbeit auf seinem Feldeteilnehmen wird. Minder befriedigend ist das Maß des Anteils, welchen die Frauen .an der, Arbeit nehmen. Wohl werden Küche und sämtliche Wirtschaftsarbeiten im Hause von der Frau unter Hilfeleistung der Töchter besorgt, auch obliegt ihnen meistenteils die Pflege der sich mehrenden Gemüse- 172