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Palästina · 1910-01-01 · Heft 8 · p. Seite 171

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 8
Article
Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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zwischen einzelnen Kolonisten angerufen worden sind. Alles wird vor dem jüdischen Forum geordnet und dringt nicht nach außen.*) In Bezug auf Bildung und geistige Bedürfnisse steht die Bevölkerung unserer Kolonien wesentlich höher nicht nur als unsere Bauern, sondern auch durchschnittlich höher als unsere jüdische kleinstädtische Bevölkerung. Zeitungen werden in größerer Zahl gehalten und gelesen und nicht etwa die populären, sondern gerade Zeitschriften literarisch-wissenschaftlichen Charakters, wie der „Haschiloach", der „Haomer", „Hapoel Hazair", deren Verständnis einen gewissen Bildungsgrad und eine gewisse Intelligenz voraussetzt. Manche von den Kolonisten führen eine gute Feder und nicht selten erscheinen von ihnen verfaßte Artikel und Korrespondenzen in den hebräischen und anderen Blättern. Auch Bücher werden bezogen, meistens die neuesten Erscheinungen der hebräischen Literatur. In vielen Kolonien gibt es Bibliotheken und in den „Bethaams" werden oft Vorträge und Diskussionen abgehalten. Die Kinder werden sämtlich in die Schulen geschickt und zwar schon von dem vierten Lebensjahre in den Kindergarten und dann in die Volksschule. Mit der Vollendung der Volksschule begnügen sich die Kolonisten oft nicht, sondern schicken ihre Kinder früher zur weiteren Ausbildung ins Ausland, jetzt aber kommen viele Kolonistenkinder, Knaben und Mädchen, ins Gymnasium zu Jaffa. Knaben werden auch in die Ackerbauschule nach Mikweh Israel geschickt. Auch an der Universität in Beirut habe ich Kolonistensöhne getroffen. In religiöser Beziehung werden die Traditionen wohl im Großen und Ganzen eingehalten, aber Fanatismus gibt es nirgends, ebenso wie andererseits das mit den russischen Einwanderern der letzten Jahre eindringende freigeistige Element noch nirgends durchgedrungen ist. Allgemein herrscht ein sehr feines Gefühl für den religiösen Anstand und ein Verletzen der religiösen Sitte, insbesondere ein „Chillul Haschabbat" durch öftentliches Rauchen oder Arbeiten wird sehr übel angesehen. Die frömmste unter den Kolonien ist Ekron, deren Bewohner am meisten jenem bäuerlichen Typus ähneln, an den wir gewöhnt sind und wo es unter den Kolonisten sogar Analphabeten geben dürfte. Eine eigenartige Stellung nimmt Petach Tikwah ein. Ein großer Teil der dortigen Kolonisten sind Chalukajuden aus Jerusalem. Dieses in moralischer Beziehung nicht ganz einwandfreie Element — manche von ihnen beziehen noch weiter Chalukah, worunter sich sogar wohlhabende Leute befinden — weist in religiöser Beziehung eine Unduldsamkeit und einen Fanatismus auf, dem man sonst in Jischub nirgends begegnet.- An der Echtheit ihres religiösen Eifers kann füglich gezweifelt werden. Die Sprache der älteren Generation ist durchwegs das Jüdische, Manche der „baronischen Kinder", so z. B. in Rischon Lezion, lieben vor Fremden mit ihrer Kenntnis des Französischen zu prahlen. Die jüngere Generation aber beginnt immer mehr sich des Hebräischen als Umgangs- *) Ein einziger derartiger Fall hat sich im vorigen Winter ereignet 171

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