Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Jüdische Frauenarbeit für Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Trotzdem die Familien des jüdischen Mittelstandes in Jaffa und Jerusalem alle Anstrengungen machen, um ein geeignetes jüdisches Dienstpersonal zu bekommen, ist es trotz verhältnismäßig hohen Lohnes und nicht schlechter Behandlung bisher noch nicht gelungen, ein wirklich brauchbares Dienstbotenelement zu erzielen. Keine Hausfrau wird verkennen, daß dies ein ernster Uebelstand ist. Die Mädchen aus der eingeborenen arabischen Bevölkerung usw. pflegen keinen Dienst anzunehmen, bei dem sie außerhalb ihres eigenen Hauses zu übernachten haben, und abgesehen von dieser Schwierigkeit besteht bei diesem Element noch die Sprachenfrage, der Mangel an Reinlichkeit und die Unkenntnis der Bedürfnisse eines europäischen Haushaltes. Andererseits wird man unter den Einwandernden kaum junge Mädchen finden, die ein häusliches Dienstverhältnis nicht als eine Unfreiheit empfänden. So kommt es, daß bisher nur diejenigen einigermaßen gut bedient wurden, die sich von der Heimat ihre Bedienung mitbrachten. Es wird also notwendig sein, schon vom schulpflichtigen Alter an die jungen Mädchen der ärmeren Klassen darauf hinzuweisen, daß Hausarbeit ein durchaus ehrenwerter Beruf ist, und daß tüchtige Kenntnis und tüchtige Arbeit auch auf diesem Gebiete ebenso anerkannt wird, wie auf irgendeinem anderen. Es würde auch sonst sehr gut sein, wenn eine größere Anzahl von Mädchen als Dienstboten in Familien des Mittelstandes größere Reinlichkeit, Ordnung und Kenntnisse sich aneignen, die in solchen Haushaltungen meist zu finden sind. Um systematisch ein Dienstbotenelement heranzubilden, wäre es notwendig, eine Art Haushaltuhgsfechule zu bilden, wie sie z. B. jetzt schon in Jaffa von vielen als eine Notwendigkeit der nächsten Zukunft betrachtet wird. Alle diese Beschäftigungsmöglichkeiten systematisch auszunützen, würde ebenfalls in den Bereich unserer Arbeit fallen, und es wird nicht schwer sein, die geeigneten Methoden ausfindig zu machen, um dieses reiche Programm mit der Zeit zu realisieren. Zu diesem Zwecke wird es auch notwendig, sein, eine Art von Arbeitsnachweis zu organisieren, der sowohl Einwanderern, als auch bereits im Lande Ansässigen mit Rat und Tat an die Hand zu gehen hätte. Dieser Art Tätigkeit würde sich auch eine Art Fürsorge für die Einwanderer anschließen, die sich auch weiterhin in der Interessenahme an dem Schicksal der Mädchen äußern würde, 'ähnlich wie dies in New- York und anderen Städten Amerikas der gutorganisierte „Council of Jewish Women" eingerichtet hat. 165