Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Jüdische Frauenarbeit für Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 7)
- Language
- German
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Hierzu gehört in allererster Linie die Seidenraupenzucht. Innerhalb weniger Wochen des Frühajhrs werden aus sorgfältig ausgesuchten Raupendem mit Hilfe der Blätter des Maulbeerbaumes die Seidenraupen herangefüttert, die sich dann in die Kokons einspinnen. Diese Zucht der Seidenraupe ist eine ganz leichte Beschäftigung, die nichts erfordert, als einige Kenntnis, Sorgfalt und Geduld. Die Frauen im libanongebiet beschäftigen sich in großem Maßstabe mit dieser höchst gewinnbringenden Arbeit. Nach dem Beispiel anderer, Seidenbau treibender Länder würde das rationelle Vorgehen zur Begründung einer Seidenkultur in Palästina darin bestehen, daß einige Leute in der mikroskopischen Untersuchung der Seidenraupeneier herangebildet und befähigt werden, von Jahr zu Jahr in steigendem Maße Leute in der Aufzucht zu unterweisen. Viele Millionen Franks könnten jährlich dem Lande zufließen, wenn die Frauen und Mädchen auf dem Lande und in den kleineren Städten Palästinas zur Beschäftigung mit der Seidenkultur angeleitet würden. Die Geflügelzucht ist eine Form landwirtschaftlicher Betätigung, die überall in der Welt in der Hauptsache den Frauen zufällt. Es ist also nicht nötig, hierüber viel Worte zu verlieren. Allenfalls sei gesagt, daß in den Städten ein ziemlicher Bedarf an Geflügel existiert, und daß dieser Bedarf vielfach von recht weither gedeckt werden muß, weil die Geflügelzucht gerade in der Nähe der konsumierenden Städte noch sehr wenig entwickelt ist. Der Gemüsebau ist ebenfalls Frauen und Mädchen leicht beizubringen und kann ohne große Anstrengungen von ihnen geleistet werden. Auch der Tabakbau dürfte in kurzer Zeit von den jüdischen Kolonisten wieder aufgegriffen werden und bietet ebenfalls Frauen und Kindern eine geeignete und ihren Kräften entsprechende Arbeitsgelegenheit. Hiemit ist die landwirtschaftliche Tätigkeit der weiblichen Bevölkerung noch keineswegs erschöpft. Die Arbeit in Baumschulen, die Bienenzucht, die Traubenernte und das Trocknen von Rosinen sind Beschäftigungen, die hier mit aufgezählt zu werden verdienen, und wenn erst die Konservenindustrie ihren Einzug in Palästina gehalten hat, so gibt das wieder in den zahlreichen, hiezu gehörigen Arbeiten ein großes Betätigungsfeld für weibliche Arbeitskräfte. Schließlich gibt es noch eine wesentliche Lücke in den gegenwärtigen Ansiedlungsverhältnissen Palästinas auszufüllen. Wir meinen den Mangel an Dienstboten und geschultem Hauspersonal. 164