Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Jüdische Frauenarbeit für Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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derartigen Vorgehens nicht zu bezweifeln. Viel könnte es auch dem Absatz helfen, wenn spezielle Entwürfe orienta- * lischen, resp. jüdischen Charakters bei solchen Arbeiten verwendet werden, und es fehlt schon heute nicht an bestimmten Anregungen dieser Art. Auch die Kunstgewerbeschule „Bezalel", die ja mit der Teppichweberei den ersten Schritt in dieser Richtung getan hat, könnte hier durch Lieferung von Zeichnungen usw. mitwirken. Die Touristen, die heute nach Jerusalem, Damaskus, Kairo und anderen Plätzen des Orients kommen, pflegen ganz erhebliche Summen für Geschenke und derlei Sachen auszugeben. Einen der beliebtesten Artikel bilden kleine Deckchen mit Hand- und Maschinenstickerei, zum Teil mit Seide und mit Metallfäden ausgeführt. Dieselben Artikel kann man auch in Orientbasaren europäischer Städte siehen. Auch hier ist der Arbeitslohn die Hauptsache, gegen den die Ausgaben für Materialien zurücktreten. Originelle Muster, eine sorgfältigere Arbeit können auch solchen Artikeln einen großen Absatz auf dem europäischen und amerikanischen Markte sichern, und schließlich ist ja eine Frauenorganisation gewiß leicht imstande, viel zum Absatz beizutragen. Auch die zahlreichen Veranstaltungen, bei denen Verkaufe und Verlosungen stattzufinden pflegen, können wohl dazu benutzt werden, die Erzeugnisse der neuen Industrie bekannt zu machen. Neben den genannten lassen sich natürlich noch viele ähnliche Arbeiten finden, für die ein größeres oder kleineres Absatzgebiet existiert, oder leicht geschaffen werden kann. Allenfalls mag zum Schlüsse die Haarnetzfabrikation und die Strumpf- und Trikotagenstrickerei erwähnt werden, um auch einiger Bedarfsartikel zu gedenken; für Frauenstrümpfe feinerer Ausführungen wäre übrigens gerade der Orient ein bedeutendes Absatzgebiet. Wenn man bedenkt, wie niedrig die Lebenshaltung speziell in den palästinensischen Städten ist, so wird man leicht ermessen, was selbst bei ganz niedrigen Arbeitslöhnen die Hausindustrie zuwege bringen kann.*) Außer der Hausindustrie und derartigen kunstgewerblichen Arbeiten kommen speziell für die ländliche Bevölkerung, also für die Frauen und Mädchen der Kolonisten und Arbeiterfamilien, auch eine ganze Reihe von landwirtschaftlichen Tätigkeiten in Betracht, die in den Rahmen der Frauenarbeit fallen. *) Um noch ein Beispiel zu erwähnen: In Tiberias ist die einzige „industrielle" Beschäftigung jüdischer Frauen das Auslesen des in primitivster Weise gedroschenen Getreides vor dem Mahlen. Die Frauen können dabei bis zu V2 Frank per Tag verdienen, aber die Arbeitsgelegenheit ist sehr begrenzt. 163