Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Jüdische Frauenarbeit für Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 4)
- Language
- German
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es 4urch gelegentliche Vorträge seitens der ansässigen Aerzte, soweit diese sich dazu Zeit nehmen, geschehen kann. — Ebenso notwendig ist der Aufklärungsdienst gegenüber dem auch unter den Juden Palästinas verbreiteten Aberglauben, gegen die Bettelpsychologie und gegen Vorurteile aller Arten. Die wesentlichste Aufgabe, die organisierter Frauenarbeit harrt, liegt aber in der Fortbildung, resp.in der Ausbildung zu lohnender Beruf sarbeit. Die besten sanitären oder Schulverhältnisse sind relativ zwecklos, wenn es an Lebensmöglichkeit mangelt. Dagegen werden günstige Lebensbedingungen von selbst oder wenigstens in viel natürlicherer Weise zur Besserung der sanitären und Schulverhältnisse führen. Hier liegt eigentlich der Kernpunkt unserer Bestrebungen — wenigstens soweit sie sich auf die heranwachsende Jugend zu erstrecken hat. Wenn es gelingt, einen größeren Teil der weiblichen Jugend des Landes in irgendeiner Form lohnender Erwerbstätigkeit zuzuführen, so wäre damit die jüdische Bevölkerung Palästinas mit einem Male auf ein höheres Niveau gehoben. Hausindustrie oder sonstige industrielle Beschäftigung könnte in kurzer Zeit weit größere Summen nach Palästina 'fließen lassen, als alle jüdischen Fonds (einschließlich der Millionen von Chalukahgeldern) zusammengenommen. Da dies vielleicht Zweifel hervorrufen könnte, so sollen hier einige Beispiele angeführt werden, mit denen die Behauptungen belegt werden. Auf den Kanarischen Inseln existiert seit wenigen Jahren eine große Hausindustrie, die 15.000 bis 20.000 Hände beschäftigt. Es ist dies die sogenannte „Teneriffa-Arbeit", eine Art von Häkelei. Diese Arbeit ist verhältnismäßig leicht und von den meisten in dieser Industrie (beschäftigten Mädchen und Frauen erst gelernt worden, als vor kurzem sich eine größere Nachfrage zeigte. Der Arbeitslohn beträgt zwischen 3/4 und 21/2 Franks pro Tag. Es geht also eine Summe von annähernd 10 Millionen Franks jährlich vom Auslande nach den Kanarischen Inseln allein für diese eine Spezialität und für Arbeitslöhne! Die Zigarettenarbeit, mit der in Südrußland und anderwärts Tausende von jüdischen Mädchen beschäftigt sind, zählt h^ute in Ägypten ebenfalls viele Tausende von Arbeitern, deren Arbeitslohn gleichfalls viele Millionen ausmacht. Von beiden Erwerbszweigen und manchen anderen mehr könnten wir für unsere Zwecke Gebrauch machen und den Zustand der jüdischen Bevölkerung damit auf das wirksamste heben. Schon heute sind ja in Galizien ähnliche Dinge in die Hand genommen worden. Die österrei- 161