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Palästina · 1910-01-01 · Heft 8 · p. Seite 153

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 8
Article
Der Jude in seinem Lande
Date
1910-01-01
Page
Seite 153 (sequence 3)
Language
German
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•physische Erstarkung — muß erst hier — wenn auch nicht sofort — zur Einheit streben. Hohe Schulen ohne den entgegengesetzten Pol, die reine Agrikultur, wären wahrscheinlich weit verfehlter als diese allein. Im Gegenteil kann die Einheit zunächst nur von unten herauf, von innen heraus errungen, nicht von oben oder von außen her eingepflanzt werden. Jn einem neuen Lande hat selbst das Wort „Kultur" einen primitiveren, seinen ursprünglichen Sinn, sie begreift das Primitivste in sich, ja, dieses bildet zunächst sogar das wichtigste Kulturproblem. Die erste Bedingung für das kulturelle Aufleben des Volkes ist ein freies, gesundes, ländliches Leben. Dieses soll zunächst das städtische Leben befruchten, nicht umgekehrt. Nur der Duft der historischen Kontinuität wird vielleicht mehr von den Städten, vor allem von Jerusalem, ausgehen. Das Landleben braucht natürlich nicht ein Bauernleben im! groben Sinne des Wortes zu sein. Was der Jude an veredeltem Innen- und Außenleben schon besitzt, wird er nicht ablegen. Es ist durchaus kein Schaden und es bietet sogar gewisse neue Perspektiven, wenn der Landmann über höhere Grade von Intelligenz verfügt. Nur in einem Grade muß diese höhere Intelligenz sich dem primitiven Leben geradezu aufopfern. Sie soll mit diesem in Harmonie bleiben, es im vollen Sinne durchleben. Eine höhere Intelligenz z. B., die sich dahin äußern würde, die Landwirtschaft zu einem bloß merkantilen Gewerbe zu erhöhen, wird, wenn sie auch eine Zeitlang eine gewisse Blüte spezieller Wirtschaftszweige erzielte, doch keine gesunde Basis für ein dauerndes Einleben des Volkes bilden können. Würde ein solcher Geist zum herrschenden, dann blieben vielleicht einige Generationen zuliebe einem gewissen Idealismus der Scholle treu, ein ruhiges Seßhaftwerden würde sich aber kaum vollziehen, der Boden würde nicht jüdisch werden. Der Boden und die Natur brauchen noch einen besonderen Patriotismus, der samt allen sonstigen Früchten des Lebens selber nur aus der Arbeit erworben werden kann. Es kommt da nicht darauf an, daß etwa alle Kolonisten eine derartige, einfache Heimatsliebe schon besitzen, sondern nur darauf, wie die vorhandenen Keime in den jüngeren Generationen nachwirken. Es ist unmöglich, daß ein Volk unter gesunde, freie Lebensbedingungen kommt, ohne daß es damit seine nationale Eigenart ausprägt und entwickelt. Dadurch wird sich nationales Leben in Palästina auch von solchem im Golus unterscheiden. Es gibt eine Eigenart der Verkümmerung und eine Eigenart der Freiheit. Erstere kann letztere bis zu einem gewissen Grade nachahmen, erstreben, aber 153

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