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Palästina · 1910-01-01 · Heft 8 · p. Seite 152

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 8
Article
Der Jude in seinem Lande
Date
1910-01-01
Page
Seite 152 (sequence 2)
Language
German
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Judennot". Sie muß in den stumpfsten und härtesten Gemütern zur Umkehr wecken, sie zwingt zur Massenphilanthropie und zwingit die Philanthropie zur Einsicht, zur Politik. Aber die weite Welt erscheint manchmal zu enge, um der wandernden Judenheit eine Heimat zu geben, nur die enge Heimat, jungfräulich und noch unberührt von dem Riesenstrome moderner Welteroberung, scheint weit genug, um einem Teile der Judenheit wirtschaftliches, soziales und kulturelles Wohlleben zu ermöglichen. Und wir sehen, wie von rein äußerlichen Gesichtspunkten aus die großen jüdischen Institutionen der Palästinabewegung näher zu treten beginnen. Aber wir dürfen uns darüber nicht täuschen! AH die organisierte Palästinabewegung, und wäre sie zehnmal stärker und hätte sie auch schon weit größere Erfolge zu verzeichnen, wäre vergeblich, wenn die Geschieht« nicht auch die zweite Art von Ursachen zur rechten Zeit bereit hätte, wenn nicht das Judentum gerade in diesem Zeitpunkte reif und fähig ist, den zionistischen Gedanken, wenn auch nur im Keime, zu verwirklichen. Nicht nur in dem, was es schafft, sondern in dem, was es wird. Das Judentum muß schon in sich das Begehren und die Kraft zu neuen Formen seines Lebens tragen, ja, es muß das Wunder der Erneuerung eines greisen Körpers an sich selbst vollziehen. Und dies muß sich vor allem an beiden Polen zeigen, an den Polen eines neuen geistigen und eines neuen physischen Lebens. Da aber diese Renaissance des Volkes mit einer teilweisen Rückwanderung verbunden sein soll, so muß sie sich von beiden Seiten zeigen, im Golus schon als ideale Vorbereitung und im neuen Lande als reale Verwirklichung. Eine bloß geistige Renaissance im Golus, die ohne eine künstliche Isolation des Judentums, ohne eine künstliche Negation der umgebenden Kulturen kaum vollzogen werden könnte, bleibt wurzellos, ohne Durchdringung, des ganzen jüdischen Lebens, bleibt peripherisch, ohne Zentrum. Dies hat Achad-Haam am deutlichsten ausgesprochen. Aber die geistige Konzentration in Palästina ist auch nur darum notwendig, weil der Geist zu nationaler Konzentration ebenfalls Ort, Land, körperlich frische Menschen braucht. Erst in Palästina muß es sich zeigen, ob der Jude noch fähig ist, sich selbst gleichsam zum Material einer Idee zu machen, in gewisser Beziehung selbst noch einmal in das Anfangsstadium eines Volkes herunterzusteigen und mit jeder Scholle eroberten Lebens Judentum in freies Volkstum umzuwandeln. Was im Golus geschieden sich vorbereiten konnte — geistig gewollte Renaissancebewegung und eine gewisse 152

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