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Palästina · 1910-01-01 · Heft 8 · p. Seite 151

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 8
Article
Der Jude in seinem Lande
Date
1910-01-01
Page
Seite 151 (sequence 1)
Language
German
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" PALÄSTINA :: MONATSSCHRIFT FÜR DIE ERSCHLIESSUNG PALÄSTINAS. VII. JAHRGANG 1910 HEFT 8 Der Jude in seinem Lande. Von Dr. Ernst Müller, Wien. Nicht danach soll hier gefragt werden, wieweit der Jude schon befähigt ist, sozial, ökonomisch und zivilisatorisch Palästina noch einmal zu seinem Lande zu machen, ob die Menschen in hinreichender Zahl und mit genügender Massenenergie dieses Ziel erstreben, ob die Wegziele schon gesteckt oder die Wege schon gänzlich gefunden sind. Unser Blick soll gleichsam auf die andere Seite derselben Medaille gerichtet sein: Wie verhält sich der Jude selbst zu seinem Lande, das heißt, nicht nur mit seinem Wunsch, nicht nur mit seinem Jdeal, nicht nur mit seiner Kraft, sondern mit seinem Wesen? Es ist nützlich, sich auch einmal solche Fragen zu stellen, wenn sie auch nicht im Augenblick volle Beantwortung erlangen können. Die merkwürdige Bedeutung, welche die Örtlichkeiten Palästinas in dem Gedankenkreise des Judentums immer gehabt haben, dergestalt, daß das religiöse und nationalterritoriale Moment hier in einer oft fast unlöslichen Weise verschmolzen — hielt gleichsam eine Art idealer Wertung Palästinas während eines großen Teils der Exilszeit im Untergrunde des jüdischen Volksbewußtseins aufrecht. Und als die religiöse Tradition in einem großen Teile des Volkes sich verflacht, zersetzt oder versteinert, da bleibt wohl in jenen Elementen des Volkes, die überhaupt noch innerhalb des eigenen Volkstums ideale Ziele kennen, auch noch jenes ideelle Heimatsgefühl erhalten, und es tritt in den Anfängen des Zionismus unmittelbar zutage. Nur scheinbar entwickelt sich aus dem allgemeinen Judenstaatsgedanken der spezielle Palästinagedanke, in der Praxis ist dieser letztere primär. Allerdings könnte jenes mehr historische als individuelle Heimatsgefühl noch keine treibende Kraft für eine Palästinabewegung sein. Die Geschichte, in der wir unsere Ziele ahnen, bringt auch die wirkenden Ursachen. Dieselben sind von zweierlei Art: äußere, „negative — ein Tiefpunkt in der Geschichte des Golusjudentums, von wo aus ,es nicht weiter geht4, das rücktreibende Verhängnis, die physische und seelische 151

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