Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 7)
- Language
- German
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Niederhauens der alten Baumbestände durch die Römer die Humusschichte vom Regen ausgewaschen wurde, so daß das nackte Kalkgestein zu Tßge tritt. In neuerer Zeit wird den Oelbaumpflanzungen von jüdischer Seite eine immer größere Beachtung geschenkt und die Verwaltung der Oelbaumspende hat aHein heuer mit der Bepflanzungeines Gebietes von zirka 2000 Dunan für den Herzlwald begonnen. Interessant ist, daß die Bäume häufig in der Weise gepflanzt werden, daß man in das Kalkgestein ein Loch bohrt oder sprengt, den Wildling einsetzt und die Oeffnung mit Erde ausfüllt. So gepflanzte Bäume entwickeln sich dann ganz normai. Bemerkenswert ist weiter, daß unsere Ansiedler auf dem Gebiete der Olivenkultur bereits eine wichtige Verbesserung eingeführt haben, indem sie nicht mehr wie die Araber die Früchte mit Stangen herunterschlagen, sondern sie vom Baume abnehmen. Bei der arabischen Methode wurden die Aeste beschädigt und der Ertrag des folgenden Jahres dadurch herabgemindert, so daß arabische Oelbäume bloß jedes zweite Jahr ein volles Erträgnisliefern, während die jüdischen Oelbäume Jahr für Jahr regelmäßig Erträgnisse abwerfen. Der Körnerbau umfaßt alle bei uns üblichen Getreidearten mit Ausnahme des Kornes und. mit Einschluß der Durra, des türkischen Maises. Er wird meistenteils in den galiläischen Kolonien betrieben, in Judäa in größerem Maßstabe nur in der Kolonie Ekron, welche sehr fruchtbares Land besitzt. Der Betrieb des Ackerbaues durch die Juden weist gegenüber dem arabischen große Fortschritte auf. Der Araber bearbeitet seinen Boden mit einem flachen Pfuge, kennt das Düngen nicht und benützt als einziges Mittel für die Erholung des Bodens die Brache. Die Kolonisten benützen dagegen schon zum größten Teile europäische, den Boden tiefer und breiter aufwühlende Pflüge, betreiben rationellen Fruchtwechsel und beginnen vereinzelt, wie in Chederah und in Ekron, auch ihre Getreidefelder mit Stallmist zu düngen. Die Erträgnisse der jüdischen Felder sind auch wesentlich größer und bereits dem Aussehen nach kann man häufig ein jüdisches Feld von einem arabischen unterscheiden. Die Fruchtbarkeit des palästinensischen Bodens ist auch für Getreidebau keine schlechte, in manchen Gegenden sogar eine sehr gute, was umsomehr ins Gewicht fällt, als man in Palästina die Getreidefelder weder mit Kunstdünger, dessen Verwendung vollständig unbekannt ist, noch mit Stallmist düngt. Weiden gibt es wenig in Palästina. Mit Ausnahme einiger galiläischer Gegenden, in denen es ausgiebigere und durch eineu größeren Teil des Jahres andauernde Weiden auf den Bergabhängen gibt, ist man überall hauptsächlich auf die Stallfütterung angewiesen. Wiesenanlagen sind infolge der Wasserverhältnisse erschwert, und Heumahd gehört zu den seltensten Erscheinungen. Die Viehzucht befindet sich infolgedessen noch auf einer sehr niedrigen Stufe, insbesondere in Judäa, wo man wenig und schlechtes Vieh sieht. Etwas besser stellen sich die Dinge in Galiläa, wo es bessere Weiden gibt. Die Milchwirtschaft könnte in der Nähe der Städte sehr rentabel sein, doch ist der einzelne Kolonist wegen seines geringen Viehbesitzes nicht in der Lage, sich mit der Milchwirtschaft 145