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Palästina · 1910-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 144

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 6-7
Article
Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 144 (sequence 6)
Language
German
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werden und eine Zeitlang auf dem Weltmarkte eine Monopolstellung einnehmen. Der Hauptmarkt ist Liverpool, wo der größte Teil der Produktion abgesetzt wird. Die minderen Sorten gehen auch nach Aegypten und Konstantinopel. Die jüdischen Bojarenbesitzer*) sind in der Genossenschaft „Pardes" organisiert, welche den Transport und den Absatz der Früchte in ihren Händen konzentriert. Die Orangenkultur beansprucht große Kapitalsinvestitionen für Bewässerungsanlagen, da der Boden im Sommer eine regelmässige Berieselung erfordert:- Auch sonst verlangt der Orangenboden eine sorgfältige Vorbearbeitung und Bearbeitung, also weiteres Kapital als Betriebsfonds. Obwohl die jüdischen Ansiedler erst verhältnismäßig kurze Zeit ihren arabischen und deutschen Nachbarn die Orangenzucht abgeguckt haben, sind" sie heute schon die größten Meister daijn. Speziell die Kunst des „Greffens", das ist des Pfropfens der Edelstämme auf die Wildlinge, verstehen die Juden am besten, und Araber upd Deutsche mieten zum Propfen jüdische Arbeiter, welchen sie hiefür die höchsten in Palästina üblichen Arbeitslöhne: 5 bis 6 Francs pro Tag bezahlen. Die Rentabilität der Bojaren ist eine gute, in Jahren aber, in welchen sowohl die Ernte gut ausgefallen als auch der Transport nach Liverpool gelungen ist — «die Orangen sind sehr heikel und verderben leicht auf der Seereise — sogar eine vorzügliche. In solchen Jahrerj, wie" z. B. dem letztvergangenen, werfen die Bojaren bis zu 30% Reingewinn ab. Die meisten Bojaren befinden sich um Jaffa und in Petach Tikwah. Ausserdem gibt es Bojaren in den meisten judäischen Kolonien. In neuester Zejt sind auch in Chederah (Samaria) einige Hunderte Dunam mit Orangen bepflanzt worden. Kenner behaupten, daß der Boden in Chederah sich hiezu sehr gut eignet, was für die Verbreitung dieser Kultur von großer Bedeutung ist, da in Chederah die Bodenpreise wesentlich billiger sind als in der Umgebung von Jaffa und in Petach Tikwah, wo infolge der hohen Rentabilität der Orangenzucht eine regelrechte Bodenagiotage entstanden ist. Mandeln gedeihen sehr gut in den Kolonien und weisen gute Erträgnisse auf, wenn sie auch wegen der häufigen arabischen Diebstähle größere Kosten für Bewachung beanspruchen. Der Absatz der Mandeln erfolgt im Lande selbst und ist noch sehr ausdebnungsfähig, insbesondere da eine sehr günstige Exportmöglichkeit nach Aegypten vorhanden ist. Die Anlage neuer Mandelplantationen bleibt daher andauernd lohnend. Sehr aussichtsreich ist die Pfanzung von Olivenbäumen, welche bisher wenig in den Kolonien betrieben wurde. Der Olivenbaum wächst auf dem dürftigsten Boden und beansprucht nach den ersten zwei bis drei Jahren nur eine äußerst geringe Pflege. Seine Pflanzung ist daher sehr lohnend, obwohl der volle Fruchtertrag des Baumes erst im achten bis zehnten Jahre nach der Pflanzung beginnt. Die Früchte werden zur Oelgewinnung und Seifenerzeugung verwendet, und die Nachfrage ist derzeit noch eine unbeschränkte. Eine besondere Bedeutung gewinnt die Olivenkultur für die Aufforstung Palästinas, da der Oelbaum im Felsenboden sehr gut gedeiht und eine Ausnützuug der Bergabhänge ermöglicht, bei denen infolge des *) Unter Bojare versteht man einen Orangengarten. 144

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