Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 8)
- Language
- German
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rationell zu befassen,, und die Bildung von Genossenschaften zu diesem Zwecke wird erst geplant. Gemüse wird allgemein für den Hausgebrauch, weniger für den Markt gebaut. Die Gemüseproduktion wäre sehr aussichtsreich wegen der Vermehrung der städtischen Bevölkerung und wegen der Möglichkeit eines lohnenden Absatzes nach dem nahen Ägypten. Sehr große Hoffnungen werden in Palästina auf die Baumwollkultur gesetzt. Die ersten Proben in Petach Tikwah und in Milhamije am Jordan haben sehr befriedigende Resultate gezeitigt, so daß sich auf Grund dieser Erfolge heuer bereits eine Gesellschaft mit einem Kapitale von 400.000 Francs gebildet hat, welche Medschdel am Kineretsee, ein Gebiet von einigen tausend Dunam gekauft hat und dort eine Baumwollform anlegt. Von der Pflanzung von Maulbeerbäumen für die Seidenzucht und vom Anbau von Tabak ist man aus mir unbekannten Gründen abgekommen. Geflügelzucht wird größtenteils nur für den Hausbedarf betrieben, in jenen Kolonien, in welchen nicht immer anderes Fleisch für den Konsum zur Verfügung steht. Es gibt jedoch schon einzelne Kolonisten, welche Brutmaschinen besitzen und die Geflügelzucht in einem größeren Maßstabe betreiben. Die materielle Lage der Kolonisten ist mit sehr geringen Ausnahmen eine befriedigende und hat die Tendenz sich immer günstiger zu gestalten. Das durchschnittliche Einkommen dei- Kolonisten beläuft sich trotz der drückenden Oschersteuer, welche 121/*0/0 vom Bruttoertrage der Felder beträgt, meiner auf vielfachen Fragen beruhenden Schätzung nach zwischen 1000—3000 Francs jährlich. Da der Kolonist sein eigenes Haus hat, für die Wohnung also nichts zahlt, da er weiters einen großen Teil seiner Bedürfnisse aus der Eigenproduktion von Haus und Hof deckt, so ermöglicht das genannte Einkommen ein behagliches, ja wohlhabendes Dasein, umso mehr, als der Wert des Geldes in Palästina wesentlich höher als bei uns ist. Die Lebenshaltung des Kolonisten ist auch demzufolge eine viel bessere, als die eines Mittelbauern bei uns. Ueberau, wo europäische Verhältnisse zum Vergleiche herangezogen werden, wird an die Verhältnisse in Galizien gedacht. Der Kolonist wohnt, speist und kleidet sich auskömmlicher, als der wohlhabende Bauer bei uns. Der Fleischgenuß ist allgemein verbreitet und nur in Kolonien, in welchen wegen der geringen Zahl ihrer Einwohner häufige Schlachtungen von Vieh nicht vorkommen können, ist die Lebensweise beinahe eine vegetarische. Doch wird eben hier zum Ersätze m ehr Geflügel gezüchtet. Durch das stetige Wachstum des Bodenwertes sowie der Preise der Bodenprodukte bessern sich die Verhältnisse der Kolonisten von Jahr zu Jahr, so daß in einzelnen Kolonien eine beginnende Wohlhabenheit sich bemerkbar macht und einzelne Kolonisten durch gelungene Bodentransaktionen und erfolgreiche Pflanzungen zu einem Vermögen gelangt sind. Für die Verbesserung der materiellen Verhältnisse ist auch die leichte Möglichkeit der Kreditbeschaffung und die Verbilligung des Kredites von Bedeutung. Bis vor wenigen Jahren und teilweise noch heute konnten und können die Kolonisten bei durch eine Mißernte oder durch Anlage von Pflanzungen entstandenem Geldbedarf sich nur schwer Kredit 146