Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 5)
- Language
- German
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für die Zukunft. Das Hauptabsatzgebiet des Weines, welcher von unseren Bauern erzeugt wird, ist heute Aegypten und der Weinverkauf weist eine fortwährend steigende Tendenz bei besseren Preisen auf. Eine charakteristische Ziffer soll dies illustrieren. Der Traubenpreis war vor der Gründung der Genossenschaft auf seine niedrigste Stufe nämlich 3 Francs pro Kantar gesunken. Jetzt erfolgt die Preisbildung in der Weise, daß alle Trauben an die Genossenschaft abgeliefert werden. Die Genossenschaft produziert daraus Wein, Kognak und in neuester Zeit auch verschiedene Liqueure und verkauft sie. Je nach dem Jahresergebnisse des Absatzes wird dann der Traubenpreis kalkuliert und den Kolonisten ausbezahlt*). Heute kann man ruhig sagen, daß die Krise überwunden werden wird und daß der Weinbau der meisten Sorten wieder lohnend ist. Viele der Kolonisten, welche die 100 Francs genommen haben, um ihre Weinberge in andere Pfanzungen zu überführen, hedauern es heute, und man ist in Palästina vielfach der Ansicht, daß man in einer nicht fernen Zukunft wird zur Neuanlage von Weinpflanzungen schreiten müssen, um der gesteigerten Nachfrage zu genügen. Die Qualität der Weine, insbesondere der süßen Sorten, ist eine vorzügliche, während die weißen saueren Sorten als Tischweine etwas zu schwer sind. Einen aufrichtigen Lobeshymnus muß ich aber dem weißen Malagawcin von Rosch Pinah singen. Er kostet an Ort und Stelle 1 Francs die Flasche und ist das beste, was ich neben echten Tokayer an süssen Weinen in meinen Leben getrunken habe. Der süsse Dessertwein entspricht der Geschmacksrichtung des Orientalen, welcher sich nicht sobald an den Genuß von saurem Tischwein gewöhnen wird. Die Vorzüge des palästinischen Weines in dieser Richtung sind eine Gewähr mehr, daß es ihm gelingen wird, auf dem orientalischen Markte eine dominierende Stellung einzunehmen. Ich habe den Verhältnissen der Weinproduktion eine größere Beachtung gewidmet, weil meiner Ansicht nach Palästina als Weinland einer großen Zukunft entgegengeht. Mit der Weinbereitung sind jedoch alle Möglichkeiten der Traubenverwertung noch nicht erschöpft. Aegypten ist ein sehr ausgiebiger Markt für Tafeltrauben, welche aus dem viel entfernteren Italien bezogen werden, da die palästinensischen Sorten nicht genug haltbar sind und die einzigen Tafeltrauben, welche in den Kolonien gezogen werden, die von Rosch Pinah, sofort in Saffed abgesetzt werden. Die Pflanzung von Tafeltrauben wird nun in Aussicht genommen, ebenso die Verwertung von Trauben zur Rosinenbereitung. Die Orangenpflanzungen sind viel jüngeren Datums, gewinnen aber in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Die palästinensischen Orangen sind die besten der Welt und erzielen demgemäß die höchsten Preise auf den europäischen Märkten. Ein weiterer Vorteil der palästinensischen Orangen ist, daß sie etwa zwei Monate vor den italienischen reif *) Hiezu tritt jedoch eine Unterstützung von 4 Francs per 20 Kantar, welche den Kolonisten aus der Rothschild'schen Subvention ausbezahlt wird, fn den drei Jahren des Bestandes der Genossenschaft ist es nun gelungen, den Traubenpreis auf 18, für die besseren Sorten bis 20 Francs also wenn man die 4 Francs vom Baron abrechnet, auf das fünffache zu bringen. 143