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Palästina · 1910-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 142

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 6-7
Article
Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 142 (sequence 4)
Language
German
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Preise, anfangs /bis zu 70 Francs für den Kantar, d. u für 288 Kg., später bis 40 Francs für denKantar zahlte. Dies hatte nur Millionenverluste zur Folge und konnte schließlich die Weinkrise, welche mit aller Heftigkeit vor etwa fünf Jahren ausbrach, nicht aufhalten. Rothschild mußte seine Preispolitik aufgeben und die Trauben waren auf einmal entwertet. Die meisten Kolonisten waren ruiniert. Manche wanderten aus und der Rest welcher bisher von einem Besitze von 50—70 Dunam Weinland — ein Dunam umfaßt etwa ein Sechstel Joch — sehr auskömmliche Erträgnisse bezog, stand vor der Katastrophe. Unter dem Drucke der öffentlichen Meinung, welche mit Recht alle Schuld der Rothschild'schen Administration zuschrieb, brach man mit dem alten Systeme und übergab die Weinproduktion und den Weinabsatz in die Hände der Kolonisten selber, welche in der „Agudath Hakormim Karmel" organisiert, sämtliche Kellereien des Barons für fünf Jahre übernahmen und vom Baron einen einmaligen Zuschuß von 1,400.000 Francs erhielten, um die Lage zu sanieren. Dies geschah vor zirka dreieinhalb Jahren. An die Spitze der Genossenschaft trat Gluskin, ein tatkräftiger Mann von bedeutender kaufmännischer Begabung. Er schränkte die Produktionskosten und die Regie auf das Notwendigste ein und begann rationell zu wirtschaften. Ein Teil der vom Baron zur Verfügung gestellten Summe wurde dazu verwendet, daß man den Kolonisten eine Entschädigung von 100 Francs per Dunam bezahlte, wenn sie die Reben rodeten und ihre Felder anderen Pflanzungen zuführten. Durch diese Maßregel, von der zum Glücke nicht allzuviele Gebrauch machten, wurde die Traubenerzeugung der Marktlage entsprechend eingeschränkt. Das wichtigste aber war, (und damit war das Grundübel beseitigt) daß Gluskin den Weinabsatz auf eine Basis stellte. Die Idee war ebenso einfach wie richtig. Gluskin sagte sich, daß der palästinensische Wein, welcher noch keine feststehende Marke hat, derzeit noch in weinproduzierenden Ländern schon wegen des Schutzzolles nicht konkurrenzfähig ist. Er suchte sich daher sein Hauptabsatzgebiet im Oriente, wo es aus religiösen Gründen in Gemäßheit der Satzungen des Koran bisher nur eine sehr geringe Weinproduktion gegeben hat, wo man aber beginnt, sich immer weniger an das Verbot des Weingenusses zu halten. Es eröffnet sich hier ein ganz besonderes Absatzgebiet mit immer mehr steigendem Konsume, dessen Befriedigung am leichtesten und am natürlichsten vom nächsten Weinproduktionslande, d. i. von Palästina aus erfolgen kann*). Gluskin hat die Gunst der Situation erfaßt und hat sich mit aller Macht auf dieses neue Absatzgebiet, welches bisher mit schlechten europäischen Sorten, insbesondere mit französischen versorgt wurde, geworfen. Auf meiner Reise habe ich in allen größeren orientalischen Städten, in Alexandrien wie in Kairo, in Damaskus wie in Beirut, in Smyrna wie in Konstantinopel, überall Verkaufskomptoirs des „Kännel" und eine rührige Reklame für seine Weine vorgefunden. Das Resultat ist schon heute ein günstiges und berechtigt zu guten Hoffnungen *) Wir drucken diese interessanten Ausführungen ab, ohne uns mit denselben zu indentifizieren. „Die Red*. 142

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