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Palästina · 1910-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 141

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 6-7
Article
Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 141 (sequence 3)
Language
German
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Schefeja u. dergl. mehr. Rischon Lezion besitzt die berühmte, großartig eingerichtete Weinkellerei, welche einige Millionen gekostet hat, einen schönen Park, ein schönes Bet-Haam. usw. Die Kolonien^ von welchen beinahe jede ihre besondere Eigenheit hat, lassen sich in zwei Gruppen scheiden, von denen die eine die in Judäa gelegenen, sowie Sichron Jakob und Rosch Pinah inXSaliläa umfaßt, die zweite einige neue von der Ica gegründete Kolonien und Chederah. In der ersten Gruppe befassen sich die Kolonisten in großem Maßstabe mit Pflanzungen und nur sehr wenig mit Viehzucht, während in der zweiten Gruppe der Körnerbau vorherrscht und die Viehhaltung auf eine höhere Stufe gelangt ist. Während die großen judäischen Kolonien kleinen Landstädtchen ähneln, besitzt die galiläische Gruppe streng dörfischen Charakter. Gepflanzt werden vor allem Weinreben, Mandeln, Orangen, in der letzten Zeit auch Oelbäume und sehr vereinzelt Edelobst. Der Boden von Palästina, welcher einen kahlen, sterilen Eindruck macht, eignet sich ganz außerordentlich für die Baumkultur. Sowohl auf den Sandböden wie auf dem Kalkboden, welcher am meisten verbreitet ist, gedeihen Bäume vorzüglich und erreichen binnen kurzer Zeit ein erstaunliches Wachstum. Eukalyptusbäume zum Beispiel erreichen schon in drei bis vier Jahren eine Höhe und eine Dicke wie sonst acht- bis zehnjährige Bäume bei uns und, wenn sie in einer Höhe von etwa 2 m gefällt werden, so wächst der Stumpf zum vollen Baume nach. Häufig findet man gewaltige Oel- oder Feigenbäume mitten in Felsen wurzeln. Im Sandboden wiederum gelangen neugepflanzte Orangenbäume bereits im sechsten Jahre nach der. Pflanzung zum vollen Fruchtertrage. Der größte Teil von Pethach Tikwah zum Beispiel besteht aus einem Sandboden, welcher bei uns als Unland gelten würde, in Palästina aber als ausgezeichneter Orangenboden von höchstem Wert ist und die teuersten Preise erzielt. Die Kolonisten, welche sich mit Pflanzungen befassen, sind voll Lobes über die Fruchtbarkeit des palästinensischen Bodens. Sehr charakteristisch ist das Scherzwort, welches darüber in den Kolonien kursiert: „Stecken Sie einen Schirm in den Boden und kommen Sie nächstes Jahr wieder, Sie werden Schirme wachsen sehen". Ursprünglich war die ganze Kolonisation, nachdem man mit dem Körnerbau auf den Sandböden Petach Tikwahs und Rischon le Zions schlechte Erfahrungen gemacht hatte, auf den Weinbau eingerichtet. Es war speziell eine Lieblingsidee des Barons, die Kolonisten zu Weinbauern heranzuzüchten und durch Verpflanzung edler französischer Reben einen feinen Qualitätswein zu erzielen. Das Resultat war ein trauriges. Die französischen Reben erwiesen sich wenig widerstandsfähig gegenüber der Phylloxera, welche z. B. in Sichron Jakob beinahe alle Weinberge vernichtet hat, und die feinen Bördeauxreben ergaben einen wesentlich geringeren Ertrag als die einfachen amerikanischen und arabischen Sorten. Das ärgste aber war, daß der Weinabsatz nicht gleichen Schritt hielt mit der Weinproduktion. Rothschild versuchte künstlich die Entwicklung zu beeinflussen, indem er viele Jahre alle von den Kolonisten gezogenen Trauben schlank für seine Kellereien abnahm und hiefür ganz enorme 141

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