Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Jüdische Frauenarbeit für Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 5)
- Language
- German
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Tribut der Christenheit betrachtet wird gegenüber den zahlreichen Verfolgungen, die Juden von christlicher Seite erfahren haben und noch heute erfahren. Wir haben die Wirksamkeit dieses christlichen Institutes geschildert, um zu zeigen, was von jüdischer Seite versäumt wurde. Es ist sicherlich eine Schande, wenn die Judenheit bis heute wohl Millionen für Palästina aufbringen konnte, aber daß mit diesen Geldspenden nicht ein System verbunden worden ist, das allein dem Gelde einen höheren Wert verleiht. Wir geben nur Geld (und auch davon bei weitem nicht genug) ernste Beschäftigung mit der Lage der jüdischen Bevölkerung über das Geldgeben hinaus haben wir nicht geleistet, und auch an eigentlicher Arbeit haben wir es durchaus fehlen lassen. Hier würde vornehmlich das Tätigkeitsgebiet jüdischer Frauen einzusetzen haben, und wir werden im weiteren Verlauf dieser Ausführungen darlegen, auf welche Zweige sozialer Fürsorge sich diese Tätigkeit zunächst zu erstrecken haben wird, und in welcher Weise wir zu wirken haben werden. Bevor wir jedoch auf dieses Thema übergehen, wollen wir noch kurz bei dem Zustand der arabisch-jüdischen und der spaniolischen Bevölkerung Palästinas verweilen. Diese dürfen wir keinesfalls vernachlässigen, dehn es ist ganz klar, daß der soziale und moralische Tiefstand irgendeiner Judenkategorie Palästinas unser allgemeines Niveau herabdrückt, und keine Tätigkeit wird so sehr die Lage der jüdischen Gesamtbevölkerung heben können, als die systematische Hebung gerade der untersten resp. der primitivsten Schichten der dortigen Bevölkerung, Die Lage der arabischen Juden illustrieren wir vielleicht am besten an der Lage der Juden in Saida. Dort grbt es zirka 800 Juden, die ein eigenes Viertel bewohnen. Der Wohlhabendste unter ihnen verdient zwei Franks täglich; das durchschnittliche Wocheneinkommen beträgt per Familie fünf Franks, viele Familien hatten nicht mehr wie drei F ranks per Woche, alleinstehende Frauen verdienten in manchen Fällen nur einen Frank per Woche und selbst noch weniger. Wie groß auch die Bedürfnislosigkeit dieser Leute notgedrungenermaßen ist, so bietet sich uns doch hier ein großes Feld für unsere Tätigkeit. Wir werden unter dem Kapitel „Fortbildung und Erwerbstätigkeit,, auf die spezielle Aufgabe hinweisen, die uns in diesen und ähnlichen Fällen obliegt. Yemenitisehe Juden wandern in letzter Zeit immer mehr und mehr nach Palästina ein. In Yemen (Südarabien) sind die Zustände unerträglich, und die dortigen Juden haben kein anderes Auswanderungsgebiet als Palästina, wohin sie — vielfach unter den größten Strapazen und Entbehrungen — sich wenden. Man findet yemenitische Ansiedlungen in Jaffa, 130