Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Jüdische Frauenarbeit für Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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mit Blechbechern und Flaschen die Eltern begleiteten, um gleichfalls ein wenig Wasser nach Hause bringen zu können. Wenn wir hier eine christliche Gesellschaft erwähnt haben, die sich in solcher Weise der Juden Jerusalems annimmt, so-liegt darin für uns eine so beschämende Tatsache, daß sie gerade an dieser Stelle eingehender geschildert zu werden verdient. Das Institut heißt „Abrahams Weingarten" und wurde bereits vor 50 Jahren zum Zwecke der Unterstützung armer und verfolgter Juden von einer christlichen Dame ins Leben gerufen. Diese Dame ist Mrs. Finn; sie war die Frau des ersten englischen Konsuls in Jerusalem und war von dem Elend der jüdischen Bevölkerung Palästinas so ergriffen, daß sie damals ein Grundstück außerhalb der Mauern erwarb, ein kleines Häuschen errichten ließ und versuchte, armen Juden durch Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten zu helfen. Die Umstände waren ab.r ungünstig. Zu jener Zeit waren die Sicherheitsverhältnisse außerhalb der Stadtmauern äußerst schlechte, und so verging eine lange Zeit (während der die Stadt über die Mauern hinauswuchs, die Sicherheitsverhältnisse besser wurden, aber auch die jüdische Einwanderung zunahm), bis die damalige Gründung sich zu einem segensreichen Institut ausgestalten konnte. Dann aber hat „Abrahams Weingarten" eine Tätigkeit entfaltet, die zwar von den Juden meist geflissentlich ignoriert wurde, die ihnen aber als Beispiel hätte dienen sollen, denn hier war das bloße Unterstützungssystem nur auf die Fälle beschränkt, wo bessere Methoden der Hilfe unmöglich waren. Arbeitsfähige Leute wurden nur durch- Arbeitsmöglichkeiten unterstützt, und es war so eingerichtet, daß jeder für seine Arbeit einen kleineren Lohn erhielt, als er für ähnliche Arbeit landesüblicher Weise bekommen hätte können. Auf diese Weise sollte das Bestreben wachgehalten werden, die Arbeit im Institute mit einer Arbeit in der Stadt oder sonstwo zu vertauschen, so daß für immer neue Bedürftige Platz geschaffen werden sollte. Das Institut wollte nicht einigen wenigen dauernde Areit geben, sondern nach und nach eine große Menge von Leuten an Arbeit gewöhnen und indirekt in geregelte Arbeitsverhältnisse bringen. Neben diesem wundervoll modernen System, von dem viele unserer besten Institute noch weit entfernt sind, ist auch eine Armenpflege eingerichtet. Eine getaufte Jüdin bekommt einige Mittel an die Hand, um einer Anzahl von Familien kleine Hilfen zu leisten, und die Wirkung dieser Tätigkeit ist trotz der spärlichen Mittel durchaus nicht gering anzuschlagen. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß dieses Institut — entgegen einem naheliegenden Verdachte — keine Taufbestrebungen mit seiner Wirksamkeit verbindet, sondern daß es von seiner Gründerin und seinen Freunden als ein kleiner 129